Heiligabend, kurz nach 15 Uhr. In Schweden sitzen knapp drei Millionen Menschen vor dem Fernseher und schauen Donald Duck, wie jedes Jahr seit 1960. Vorher gab es in vielen Familien das Weihnachtsessen, und das ist kein Braten mit Klößen. Es ist ein Buffet: der Julbord, wörtlich der Weihnachtstisch.
Ich habe die Weihnachtszeit schon in Schweden verbracht und einen Julbord privat bei Schweden zu Hause erlebt, nicht im Restaurant. Auf den ersten Blick sieht das Buffet nach freier Auswahl aus. Ist es aber nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Julbord ist ein Weihnachtsbuffet, an dem du in festen Runden isst: Hering, kalter Fisch, kaltes Fleisch, warme Gerichte und zum Schluss Süßes.
- Zu den Klassikern gehören eingelegter Hering, gebeizter Lachs, der Weihnachtsschinken julskinka, Köttbullar und Janssons frestelse, dazu gibt es Julmust oder Glögg.
- Gefeiert wird am 24. Dezember, und um 15 Uhr schauen knapp drei Millionen Schweden auf SVT Donald Duck, eine Sendung, die nur live und nur in Schweden läuft.
- Im Restaurant ist der Julbord eine Saison ab November, buch früh und nimm am besten die Mittagssitzung, denn beliebte Termine sind schnell weg.
- Geh erst einmal um das Buffet, nimm kleine Portionen und für jede Runde einen frischen Teller, sonst bist du schon nach der zweiten Runde satt.
Inhalt: 6 Abschnitte
- Was auf einen Julbord gehört: fünf Runden in fester Reihenfolge
- Wie alt der Julbord ist und was erst später dazukam
- Julmust, Glögg und Pepparkakor: was du dazu trinkst und knabberst
- Heiligabend in Schweden: warum der 24. zählt und Donald Duck dazugehört
- Julbord im Restaurant: Termine, Preise, Buchung
- Tipps für deinen ersten Julbord
Was auf einen Julbord gehört: fünf Runden in fester Reihenfolge
Ein Julbord ist ein smörgåsbord, ein Buffet mit vielen kleinen Gerichten, kalt und warm. Du gehst mehrmals hin, und jede Runde, schwedisch tur, hat ihr eigenes Thema. Die klassische Ordnung mit fünf Runden geht laut der schwedischen Zeitschrift Land auf den Gastronomen Tore Wretman zurück.
- Hering. Eingelegter Hering, sill, in mehreren Sorten, etwa mit Senf oder Zwiebeln. Dazu gibt es Kartoffeln, Knäckebrot, Butter und kräftigen Käse. Schweden kürzen das mit S.O.S. ab: smör, ost, sill.
- Kalter Fisch. Gebeizter Lachs (gravad lax), Räucherlachs, Krabben und halbe Eier.
- Kaltes Fleisch. Jetzt kommt der Weihnachtsschinken, die julskinka, mit Senf. Daneben stehen Leberpastete, Sülze und Rote-Bete-Salat.
- Warme Gerichte, auf Schwedisch småvarmt. Hier findest du Köttbullar, die kleinen Würstchen prinskorv, Rippchen, Rotkohl und Janssons frestelse, ein Kartoffelgratin mit Zwiebeln, Sahne und ansjovis. In manchen Familien gehört lutfisk dazu, getrockneter Fisch, der vor dem Kochen in Wasser und Lauge aufquillt.
- Süßes. Ris à la Malta ist kalter Milchreis mit Schlagsahne, oft mit Orange. Daneben Obstsalat, Käse und Pepparkakor.
Wer sieben Runden zählt, trennt am Ende Käse, Nachtisch und das gottebord mit Karamell und Marzipan. Die Idee hinter der Ordnung ist schlicht: vom Salzigen und Kalten zum Warmen und Süßen. So läuft die Heringslake nicht in die Köttbullar.
Fragt man mich, was zu einem Julbord gehört, nenne ich vier Dinge: Köttbullar, Julskinka, Hering und Glögg. Dieselben vier stehen im Artikel über den Winter in Schweden, in dem es sonst vor allem um Dunkelheit und Schnee geht.
Wie alt der Julbord ist und was erst später dazukam
Das Wort julbord gibt es im Schwedischen seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Gemeint war damals ein festlich gedeckter Tisch mit Kerzen und Schaubroten, der über die Feiertage stehen blieb. Allgemein üblich wurde es erst im frühen 20. Jahrhundert, den Heiligabend mit einem Weihnachts-Smörgåsbord zu beginnen. Danach folgten Lutfisk und Reisbrei. Zu einem einzigen großen Buffet sind diese Mahlzeiten erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verschmolzen.
Einige Klassiker sind jünger als ihr Ruf:
- Julskinka: Den Schinken, ein gutes Stück vom Schwein, hob man früher für den Sommer auf. Zu Weihnachten kam oft ein Schweinekopf auf den Tisch. Üblich wurde der Weihnachtsschinken erst im 20. Jahrhundert.
- Janssons frestelse: Laut sweden.se, der offiziellen Schweden-Seite, erschien das Rezept 1940 zum ersten Mal gedruckt.
- Köttbullar: Sie stehen erst seit den 1970er Jahren auf dem Julbord.
Zu den ältesten Teilen zählen Wurst, Lutfisk und dopp i grytan. Das ist Brot, meist Würzbrot (vörtbröd), das man in die heiße Brühe taucht, in der der Schinken gekocht wurde. Der 24. Dezember heißt deshalb manchmal auch dopparedagen, der Tunk-Tag.
Restaurants bieten den Julbord seit kurz nach dem Ersten Weltkrieg an. Anfangs gab es ihn dort an ein oder zwei Sonntagen vor Weihnachten.
Julmust, Glögg und Pepparkakor: was du dazu trinkst und knabberst
Julmust ist eine alkoholfreie Limonade mit Malz und Hopfen, dunkel und süß. Harry Roberts, Sohn eines Limonadenfabrikanten, lernte das Rezept in Deutschland kennen, wo er Chemie studiert hatte. 1910 wurde in Örebro die Firma AB Roberts gegründet, das Getränk hieß anfangs Roberts Julöl und war als Alternative zu Bier gedacht. Laut dem Brauereiverband Sveriges Bryggerier werden jedes Jahr rund 50 Millionen Liter Julmust verkauft (Stand 2025). Nach einer älteren Angabe des Verbands von 2023 entfallen 60 Prozent des Must-Absatzes auf den Dezember. Rund 98 Prozent stammen aus derselben Essenz, die bis heute in Örebro gemischt wird. Zu Ostern steht das Getränk als påskmust im Regal.
Julmust habe ich selbst getrunken. Visit Sweden beschreibt den Geschmack als Kreuzung aus Cola und Root Beer.
Glögg ist der schwedische Glühwein, gewürzt und süß, serviert in kleinen Tassen mit Mandeln und Rosinen. Er gehört zu den Adventssonntagen und steht oft am Anfang eines Julbords. Im Supermarkt bekommst du nur alkoholfreien Glögg oder solchen mit höchstens 2,25 Prozent. Die stärkere Variante auf Weinbasis verkauft allein Systembolaget, und dort gilt eine Altersgrenze von 20 Jahren. Ich kaufe bei fast jedem Aufenthalt dort ein und wurde auch schon nach dem Ausweis gefragt. Nimm ihn mit.
Pepparkakor sind dünne Pfefferkuchen-Kekse, ausgestochen als Herzen, Schweinchen oder Männchen. Mit Weihnachten verbunden sind sie seit dem 19. Jahrhundert. Glögg und Pepparkakor kenne ich aus eigener Erfahrung. Zusammen sind sie das schwedische Gegenstück zu Glühwein und Lebkuchen. Im Dezember lösen Safranbrötchen in vielen Bäckereien für ein paar Wochen sogar die Kanelbullar als liebstes Gebäck zur Fika ab.
Heiligabend in Schweden: warum der 24. zählt und Donald Duck dazugehört
Die Adventszeit hat in Schweden eigene Termine, etwa das Luciafest am 13. Dezember. Der Höhepunkt ist der julafton, der 24. Dezember. Laut sweden.se liegt das an einer alten Zählweise: Früher begann der neue Tag mit dem Sonnenuntergang, der Weihnachtstag also schon am Abend des 24.
Gesetzlich ist der 24. kein Feiertag. Das schwedische Feiertagsgesetz nennt im Dezember nur den 25. und den 26. Gefeiert wird trotzdem am Heiligabend, 2026 fällt er auf einen Donnerstag. Welche Tage frei sind, steht im Ferien- und Feiertagskalender für Schweden.
Der Tag hat einen festen Ablauf. Viele Familien essen mittags, um 15 Uhr läuft auf SVT Kalle Anka och hans vänner önskar God Jul, und danach bringt der Weihnachtsmann, der jultomte, die Geschenke. So beschreibt es Nordiska museet, das Stockholmer Museum für Kulturgeschichte. Die Disney-Sendung läuft seit 1960 an jedem Heiligabend. 2025 sahen laut dem Messinstitut MMS 2.984.000 Menschen zu, der Rekord stammt von 2020 mit 4.519.000. Wie der ganze Heiligabend abläuft, steht im Artikel über Weihnachten in Schweden.
Kalle Anka habe ich gesehen. Für dich als Deutschen wichtig: SVT zeigt die Sendung nur live und nicht zum Nachschauen in SVT Play. Außerhalb Schwedens ist sie aus Rechtegründen gar nicht zu sehen. Wer dabei sein will, muss am 24. in Schweden sein.
Wie die anderen Feste im schwedischen Jahr aussehen, von Påsk bis Midsommar, steht im Artikel über schwedische Kultur und Feiertage.
Julbord im Restaurant: Termine, Preise, Buchung
Im Restaurant ist der Julbord eine Saison. Laut Visit Sweden ist er zu gut für nur einmal im Jahr und gehört zu vielen Weihnachtsfeiern von Firmen. Unternehmen laden Mitarbeiter und Kunden schon ab November ein.
Zwei Beispiele, Stand September 2026:
- Långholmens Wärdshus in Stockholm serviert den Julbord vom 20. November bis 22. Dezember 2026. Je nach Tag und Uhrzeit kostet er 750 bis 1.250 Kronen pro Person. Beim Kurs der Europäischen Zentralbank vom 25. September 2026 (11,29 Kronen je Euro) sind das etwa 66 bis 111 Euro. Eine Sitzung dauert mittags zweieinhalb, nachmittags und abends drei Stunden.
- In Malmö listet das Buchungsportal Julbordsportalen Ende September 25 Angebote für 2026, zwischen 395 und 1.302 Kronen pro Person, rund 35 bis 115 Euro.
Am besten nimmst du die Mittagssitzung. Bei Långholmen kostet sie von Montag bis Samstag ab dem 25. November 750 Kronen, abends zahlst du an denselben Tagen meist 1.250. Kinder von 3 bis 12 Jahren zahlen dort 60 Kronen pro Lebensjahr. Buche früh, denn beliebte Termine sind laut Julbordsportalen schnell weg.
Tipps für deinen ersten Julbord
- Erst schauen, dann nehmen. Geh einmal um das Buffet, bevor du anfängst, und nimm kleine Portionen. Sonst bist du nach der zweiten Runde satt.
- Pro Runde ein frischer Teller. Hering, Lachs und Schinken landen nacheinander auf eigenen Tellern. Der Etikette-Experte Mats Danielsson rät laut Land, zuerst deiner Begleitung einen Teller zu reichen.
- Lutfisk vorsichtig probieren. Selbst sweden.se nennt ihn Geschmackssache. Ein Löffel reicht für den Anfang.
- Ansjovis ist keine Sardelle. Schwedische ansjovis sind in Würzlake eingelegte Sprotten. Wer Janssons frestelse zu Hause mit italienischen Sardellen kocht, bekommt ein anderes Gericht. Kauf zwei Dosen in Schweden und nimm sie mit.
- Ein Wort Schwedisch. Mit „God jul“ liegst du im Dezember immer richtig. Weitere Wörter für Restaurant und Einkauf findest du unter Hallo auf Schwedisch.
Wenn du diesen Winter nach Schweden fährst: Reservier jetzt einen Mittagstermin für den Julbord, und kauf die Dosen ansjovis für zu Hause gleich beim ersten Einkauf in Schweden.
Beitragsbild: Privater Julbord in Schweden, Foto: David Castor, gemeinfrei (CC0), via Wikimedia Commons
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