Lucia in Schweden: Was am 13. Dezember passiert

Stand: September 2026

Das Licht geht aus, im Raum wird es still. Dann kommt von draußen Gesang, erst leise, dann immer näher. Eine Reihe weiß gekleideter Kinder und Jugendlicher zieht herein, jede und jeder mit einer Kerze in der Hand. Vorneweg geht eine junge Frau mit einer Krone aus Kerzen auf dem Kopf. So sieht Lucia in Schweden aus, jedes Jahr am 13. Dezember, in Kirchen, Schulen, Konzertsälen und Büros.

Einen Luciazug habe ich selbst gesehen, und die Adventszeit habe ich schon in Schweden verbracht. Für Besucher lohnt sich das Fest aus zwei Gründen: Viele Feiern in Kirchen sind offen für alle, und es fällt in die dunkelste Zeit des Jahres. Dass es in Schweden sehr früh dunkel wird, merke ich auch im Süden, obwohl es dort weniger extrem ist als im Norden. Wie früh genau, steht im Artikel über den Winter in Schweden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lucia wird jedes Jahr am 13. Dezember gefeiert, ein gesetzlicher Feiertag ist der Tag aber nicht, Geschäfte, Behörden und Banken haben an Werktagen normal geöffnet.
  • Beim Luciazug ziehen Lucia mit Kerzenkrone, ihre weiß gekleideten Begleiterinnen, Sternknaben, Wichtel und Lebkuchenmännchen singend in einen abgedunkelten Raum.
  • Das wichtigste Lied ist „Sankta Lucia“ mit einer Melodie aus Neapel, und viele Veranstalter legen den Zug nicht vor Sonnenaufgang, sondern auf den späten Nachmittag.
  • Dazu gibt es lussekatter, S-förmige Hefebrötchen mit Safran und Rosinen, die in der ganzen Adventszeit gegessen werden, oft zusammen mit Glögg und pepparkakor.
  • Als Besucher erlebst du Lucia am einfachsten in einer Gemeindekirche der Svenska kyrkan, meist frei zugänglich, sei aber mindestens eine Viertelstunde vor Beginn da.
Inhalt: 7 Abschnitte
  1. Lucia in Schweden 2026: Sonntag, dritter Advent, kein Feiertag
  2. So läuft ein Luciazug ab
  3. Sankta Lucia und die anderen Lieder
  4. Lussekatter: das Safrangebäck zu Lucia
  5. Woher Lucia in Schweden kommt
  6. Lucia im Fernsehen: der Luciamorgon bei SVT
  7. Wo du Lucia in Schweden als Besucher erlebst

Lucia in Schweden 2026: Sonntag, dritter Advent, kein Feiertag

Der 13. Dezember 2026 fällt auf einen Sonntag, zugleich ist es der dritte Advent. Viele Gemeinden der Svenska kyrkan, der schwedischen Kirche, feiern an diesem Tag einen eigenen Gottesdienst, den luciagudstjänst.

Ein gesetzlicher Feiertag ist der Tag nicht. Das schwedische Feiertagsgesetz, die lag om allmänna helgdagar von 1989, zählt den 13. Dezember nicht auf. In anderen Jahren ist er ein normaler Arbeitstag, 2027 zum Beispiel ein Montag. Geschäfte, Behörden und Banken haben dann wie immer geöffnet, gefeiert wird trotzdem, in Schulen, Kindergärten und am Arbeitsplatz. Welche Tage in Schweden arbeitsfrei sind und wann die Weihnachtsferien beginnen, zeigt der Ferien- und Feiertagskalender für Schweden.

Traditionell kommt Lucia vor Sonnenaufgang. Viele Veranstalter legen den Zug aus praktischen Gründen auf den späten Nachmittag, wenn es wieder dunkel ist, so beschreibt es Visit Sweden. Für dich heißt das: Nicht jeder Zug verlangt, dass du um sechs Uhr aufstehst.

So läuft ein Luciazug ab

Die übliche Form ist schnell erklärt. Das Publikum sitzt in einem abgedunkelten Raum. Der Zug kommt singend und mit brennenden Kerzen von draußen herein, meist mit dem Lied „Sankta Lucia“. Lucia stellt sich in die Mitte, ihre Begleiterinnen reihen sich links und rechts von ihr auf. Es folgen weitere Lieder. Zum Schluss zieht der Zug wieder hinaus, oft wieder mit „Sankta Lucia“.

Wer mitläuft, erkennst du an der Kleidung:

  • Lucia trägt ein langes weißes Gewand, ein rotes Band um die Taille und die luciakrona. Das ist eine Metallkrone oder ein Kranz aus Preiselbeerzweigen, in dem die Kerzen stecken. Heute sind das meist Batteriekerzen.
  • Tärnor, die Begleiterinnen, gehen in denselben weißen Gewändern. Im Haar tragen sie Glitzer oder einen Kranz, in der Hand eine Kerze.
  • Stjärngossar, die Sternknaben, tragen ebenfalls Weiß, dazu einen spitzen Papierhut und einen Stab mit Stern. Nach Nordiska museet stehen sie für die Heiligen Drei Könige und stammen aus mittelalterlichen Kirchenspielen.
  • Tomtenissar sind Wichtel in roten Kostümen.
  • Pepparkaksgubbar, die Lebkuchenmännchen, sind braun gekleidet mit weißen Rändern, wie Zuckerguss auf dem Gebäck.

Die Wichtelrolle übernehmen laut Visit Sweden meist die jüngeren Kinder. Wie groß ein Zug ist, hängt vom Ort ab. Beim Luciamorgon von SVT 2025 in Visby sangen 80 Kinder und Jugendliche aus vier Chören mit.

Sankta Lucia und die anderen Lieder

Das wichtigste Lied heißt „Sankta Lucia“. Die meisten Schweden können es auswendig, schreibt Visit Sweden. Die Melodie stammt aus Neapel. Teodoro Cottrau veröffentlichte sie 1849 als „Santa Lucia“, und gemeint war damals ein Hafenviertel von Neapel, keine Heilige.

In Schweden bekam die Melodie eigene Texte. Zwei davon hörst du heute am häufigsten: „Natten går tunga fjät“ von Arvid Rosén aus dem Jahr 1928, jahrzehntelang die Standardfassung, und „Sankta Lucia, ljusklara hägring“ von Sigrid Elmblad von 1924, die seit den 1980er Jahren wieder öfter gesungen wird. In Kindergärten ist eine einfachere Fassung verbreitet, „Ute är mörkt och kallt“ von 1958.

Danach wird es bunter. Ein Liedprogramm aus einer Gemeinde der Svenska kyrkan führt unter anderem diese Titel:

  • „Goder afton“, ein Begrüßungslied
  • „Staffan var en stalledräng“, gesungen meist von den Sternknaben, den Refrain singt manchmal der ganze Zug
  • „Tre pepparkaksgubbar“ für die Lebkuchenmännchen
  • „Nu tändas tusen juleljus“ und „Stilla natt“, die schwedische Fassung von „Stille Nacht“

Es lohnt sich, „Sankta Lucia“ vor der Reise einmal anzuhören. Die Melodie kennst du vielleicht als italienisches Volkslied, ohne zu wissen, dass sie in Schweden zum 13. Dezember gehört.

Lussekatter: das Safrangebäck zu Lucia

Zum 13. Dezember gehören lussekatter, kleine Hefebrötchen mit Safran. Der Safran macht sie gelb. Die typische Form ist ein S mit eingerollten Enden, in denen je eine Rosine steckt. Andere Namen sind lussebulle oder saffransbulle. Man isst sie in der ganzen Adventszeit, nicht nur am 13. Dezember.

Mit Katzen hat der Name wohl nichts zu tun. Nordiska museet führt ihn auf den duivekater zurück, ein Gebäck aus Holland und Norddeutschland, das Niederländer vermutlich im 17. Jahrhundert nach Göteborg brachten. Auf Schwedisch klang das wie dyvelskatter, Teufelskatzen. Erst als das Gebäck mit dem 13. Dezember verknüpft wurde, hieß es lussekatter. Der Safran kam sogar erst Ende des 19. Jahrhunderts dazu.

Lussekatter kenne ich aus der Adventszeit in Schweden, Glögg und pepparkakor, die dünnen schwedischen Pfefferkuchen, ebenfalls. Rund um viele Luciakonzerte gibt es alle drei, vor oder nach dem Auftritt. Wer keinen Glögg mag, trinkt Kaffee.

Selbst backen ist kein Hexenwerk. Wer schon Kanelbullar nach schwedischem Rezept gebacken hat, kennt den Ablauf: Hefeteig kneten, gehen lassen, formen, backen. Bei Lussekatter kommt Safran in den Teig, und eine Füllung gibt es nicht.

Woher Lucia in Schweden kommt

Die Namensgeberin ist die heilige Lucia von Syrakus auf Sizilien. Sie wurde vermutlich im Jahr 304 unter Kaiser Diokletian getötet. Der Legende nach verschenkte sie ihre Mitgift an die Armen, worauf ihr Verlobter sie als Christin anzeigte. Ihr Name geht auf das lateinische lux zurück, Licht. Im katholischen Kalender Schwedens war der 13. Dezember bis ins 16. Jahrhundert ihr Heiligentag.

Mit dem weißen Zug hat ihre Legende wenig zu tun. Wichtiger war die Nacht selbst. Nach dem julianischen Kalender, der in Schweden bis 1753 galt, zählte die Nacht auf den 13. Dezember als die längste des Jahres. Im Volksglauben war sie gefährlich, übernatürliche Mächte waren unterwegs, man blieb wach und aß. So beschreibt es die Svenska kyrkan. Im Westen Schwedens war die Lussenacht im 19. Jahrhundert laut Nordiska museet ein ausgelassenes Fest mit Verkleidungen, fast wie Karneval.

Vom Hof in Västergötland nach ganz Schweden

Die älteste bekannte Beschreibung einer weiß gekleideten Lucia stammt von 1764, von einem Hof in Västergötland. Lange blieb der Brauch eine Sache wohlhabender Familien im Westen des Landes. Ende des 19. Jahrhunderts brachte das Freilichtmuseum Skansen ihn nach Stockholm, nach eigener Angabe 1893 zum ersten Mal.

Den Durchbruch brachten die späten 1920er Jahre. Die Zeitung Stockholms Dagblad ließ eine Stockholmer Lucia wählen und öffentlich auftreten. Svenska kyrkan nennt dafür das Jahr 1927, Nordiska museet 1928. Welche Zahl stimmt, kann ich nicht sicher sagen. Vermutlich liegt es daran, dass Geschäftsleute der Innenstadt schon 1927 einen Luciazug veranstalteten und die Zeitung ein Jahr später übernahm.

Danach wollten die meisten Städte eine eigene Lucia, Schulen und Arbeitsplätze zogen nach. In den 1950er Jahren war der feierliche Zug, wie du ihn heute siehst, in ganz Schweden üblich. Wo das Fest im schwedischen Jahr zwischen Valborg, Mittsommer und Weihnachten steht, zeigt der Überblick über Kultur und Feiertage in Schweden. Elf Tage später folgt Heiligabend mit dem julbord, dem großen Weihnachtsbuffet. Mehr dazu im Artikel über den Julbord.

Lucia im Fernsehen: der Luciamorgon bei SVT

Wer am 13. Dezember in Schweden ist und früh aufsteht, kann Lucia auch im Fernsehen sehen. Das öffentlich-rechtliche SVT überträgt jedes Jahr den Luciamorgon, meist ab 7 Uhr morgens und etwa eine Stunde lang. Gedreht wird in einer Kirche, einem alten Herrenhaus oder einem Schloss, jedes Jahr an einem anderen Ort. 2023 kam die Sendung aus dem Schloss in Kalmar, 2025 aus Visby auf Gotland, innerhalb der Stadtmauer.

Für Leser in Deutschland gibt es einen Haken. In der Mediathek SVT Play ist die Sendung nur in Schweden abrufbar. Von zu Hause aus schaust du also nicht mit. Live erleben kannst du Lucia in Deutschland bei den schwedischen Gemeinden in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München, die Termine stehen im Artikel über den schwedischen Weihnachtsmarkt. Was nach Lucia bis Heiligabend folgt, steht im Artikel über Weihnachten in Schweden.

Für 2026 hat SVT den Ort noch nicht genannt. 2024 wurde er Mitte November bekannt.

Wo du Lucia in Schweden als Besucher erlebst

Am einfachsten ist die Kirche vor Ort. Viele Gemeinden der Svenska kyrkan feiern einen Gottesdienst mit Lucia oder laden zu einem Konzert ein. Visit Småland schreibt, dass in den meisten Kirchen der Region offene Veranstaltungen stattfinden. Den Termin findest du auf der Webseite der jeweiligen Gemeinde, der församling.

Größere Konzerte in Domkirchen und Konzertsälen kosten teils Eintritt. Im Dom von Växjö gibt es laut Visit Småland jeden Dezember traditionelle Luciazüge. In Stockholm bietet sich Skansen an. Lucia gab es dort schon 1893, und auf der Lucia-Seite des Museums stehen für 2026 zwei Angebote: ein Konzert in der Seglora kyrka und eine Feier, die zeigt, wie Lucia in den 1920er Jahren ausgesehen und geklungen haben könnte. Termine und Preise standen Ende September noch nicht dort. Wie du Skansen in einen Städtetrip einbaust, steht im Artikel über Stockholm in drei Tagen.

Luciazug in der Gemeindekirche besuchen

Wenn du nur einen Luciazug siehst, nimm am besten den in einer Gemeindekirche statt eines großen Konzerts in der Hauptstadt. Er ist meist frei zugänglich, oft ohne Ticket, und die Lieder sind dieselben. Wer über Weihnachten im Ferienhaus in Südschweden ist, schaut auf die Seite der nächsten församling.

Noch ein praktischer Punkt: Sei mindestens eine Viertelstunde vor Beginn da. Der Zug beginnt im Dunkeln, und wer zu spät kommt, platzt mitten in die Stille.

Fährst du im Dezember nach Schweden? Dann such Anfang Dezember auf der Seite der Kirchengemeinde an deinem Ziel nach „lucia“ und trag dir den Termin ein.

Beitragsbild: Luciazug im Naturhistoriska riksmuseet, Stockholm, Foto: IngimarE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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