Stand: September 2026
Fünf Prozent. So viele Menschen in Schweden haben bei ihrem letzten Einkauf im Laden mit Bargeld bezahlt. Die Zahl steht im Betalningsrapport 2026 der schwedischen Reichsbank Riksbank und stammt aus einer Befragung von 2025. Zwei Jahre davor waren es 10 Prozent, vor fünfzehn Jahren 40. Bezahlen in Schweden heißt heute: Karte an das Terminal halten, Betrag bestätigen, weitergehen.
Ich fahre seit über 30 Jahren nach Südschweden, und am Anfang habe ich dort alles bar bezahlt. Inzwischen zahle ich auch mit Karte. Heute wird man in manchen Läden schief angesehen, wenn man einen Schein hinlegt, weil fast alle mit Karte zahlen oder Swish benutzen. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt der komplette Umbau eines Zahlungssystems, und der ist der Grund, warum deutsche Urlauber an schwedischen Kassen gelegentlich ins Stocken geraten.
Was an der Kasse funktioniert, auf einen Blick:
| Zahlungsmittel | Was gilt |
|---|---|
| Visa oder Mastercard | geht fast überall, kontaktlos ist der Normalfall |
| reine Girocard | wird nicht akzeptiert |
| Maestro | vorhandene Karten gelten bis zum aufgedruckten Ablaufdatum |
| Abrechnung in Euro am Terminal | ablehnen und in Kronen zahlen |
| Swish | nur mit schwedischem Konto und BankID, für Urlauber nicht zu bekommen |
| Bargeld in Kronen | Lebensmittelgeschäfte und Apotheken müssen es an bedienten Kassen annehmen, bis 5.920 Kronen; Restaurants, Museen, Busse und Cafés dürfen ablehnen |
| Euro in bar | Schweden hat den Euro nicht eingeführt, nur an manchen Loppis-Ständen nimmt man ihn |
Das Wichtigste in Kürze
- Nur noch fünf Prozent der Menschen in Schweden haben beim letzten Einkauf bar bezahlt, mit Visa oder Mastercard kommst du fast überall durch, kontaktlos ist der Normalfall.
- Eine reine Girocard ohne Visa- oder Mastercard-Funktion funktioniert in Schweden nicht, nimm deshalb zwei Karten verschiedener Anbieter mit.
- Fragt das Terminal, ob du in Euro zahlen willst, lehn ab und zahl in Kronen, denn die Umrechnung über den Händler kostet oft mehrere Prozent Aufschlag.
- Swish setzt ein schwedisches Bankkonto und BankID voraus und ist für Urlauber nicht zu bekommen, wo Swish hängt, steht aber meist auch ein Kartenterminal.
- Seit dem 1. Juli 2026 müssen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken an bedienten Kassen Bargeld bis 5.920 Kronen annehmen, Restaurants, Museen und Busse dürfen es ablehnen.
Inhalt: 10 Abschnitte
- Bezahlen in Schweden mit Karte: was funktioniert und was nicht
- Die teuerste Frage am Terminal lautet „in Euro?“
- Swish: das schwedische Bezahlen, das du nicht bekommst
- Bargeld in Schweden: seit Juli 2026 gibt es wieder ein Recht darauf
- Trinkgeld: rechne nicht mit Prozenten
- Pant: dein Leergut ist zwei Kronen wert
- Supermärkte: ICA, Coop, Willys, Lidl
- Systembolaget: Alkohol gibt es nur hier, und nicht am Sonntag
- Loppis: wo Bargeld noch zählt
- Tax free gibt es für dich nicht
Bezahlen in Schweden mit Karte: was funktioniert und was nicht
Rechnet man alle Kartenformen zusammen, also Debitkarte, Kreditkarte und Karte im Handy, kommen sie laut Riksbank auf rund 92 Prozent der Zahlungen beim letzten Ladenkauf. Kontaktlos ist der Normalfall, vom Kiosk bis zum Parkautomaten.
Die Karte, die du mitbringst, muss aber international sein. Eine reine Girocard ohne Visa- oder Mastercard-Funktion ist ein deutsches Inlandssystem und wird in Schweden nicht akzeptiert. Seit dem 1. Juli 2023 werden neue Girocards grundsätzlich ohne Maestro-Funktion ausgegeben. Vorhandene Maestro-Karten gelten bis zu ihrem aufgedruckten Ablaufdatum, danach ist Schluss. Wenn auf deiner Karte nur das Girocard-Logo klebt und sonst nichts, funktioniert sie hinter Trelleborg nicht mehr.
Wichtig: Nimm zwei Karten von unterschiedlichen Anbietern mit, eine Visa und eine Mastercard, und trag sie nicht im selben Fach. Fällt ein Terminal oder eine Karte aus, hast du sonst kein zweites Standbein. Für den Geldbeutel gilt dasselbe wie für das Auto: Man merkt erst, dass etwas fehlt, wenn es zu spät ist. Was ein Monat vor Ort kostet, wenn du dort wohnst, zeigen die Lebenshaltungskosten in Schweden.
Die teuerste Frage am Terminal lautet „in Euro?“
Schweden hat den Euro nicht eingeführt, bezahlt wird in kronor. An vielen Terminals und an fast jedem Geldautomaten bekommst du deshalb die freundliche Frage gestellt, ob du lieber in Euro abrechnen möchtest. Sag Nein.
Hinter dem Angebot steckt die dynamische Währungsumrechnung, kurz DCC. Den Kurs legt dann nicht deine Bank fest, sondern der Zahlungsdienstleister des Händlers, und der Aufschlag darauf liegt oft bei mehreren Prozent, manchmal deutlich darüber. Rechnest du in Kronen ab, macht die Umrechnung dein Kartenherausgeber. Für Zahlungen außerhalb der Eurozone verlangen viele deutsche Banken ein Auslandseinsatzentgelt, meist zwischen 1 und 2 Prozent. Es gibt Karten ohne dieses Entgelt, und bei einem längeren Aufenthalt lohnt sich der Wechsel.
Die Regel ist so simpel, dass sie sich merken lässt: Immer in der Währung des Landes bezahlen, in dem du stehst. Am Automaten heißt die richtige Antwort meist „without conversion“ oder „continue without conversion“.
Swish: das schwedische Bezahlen, das du nicht bekommst
Swish ist eine App der schwedischen Banken, mit der man Geld in Sekunden von Handy zu Handy schickt. Sie steht an Hofläden, an Marktständen, auf Vereinsplakaten und an Kassen kleiner Cafés. Über 30 Tage betrachtet ist Swish das Zahlungsmittel, das die meisten Schweden benutzt haben, im stationären Laden selbst spielt es mit 2 Prozent beim letzten Einkauf kaum eine Rolle.
Für dich als Urlauber ist die Sache trotzdem einfach, weil sie gar nicht erst anfängt: Swish setzt ein schwedisches Bankkonto und die schwedische BankID voraus, und für beides brauchst du in der Praxis eine Personnummer. Als Urlauber kommst du an nichts davon heran. Wer dauerhaft nach Schweden zieht, bekommt Swish, sobald Konto und BankID eingerichtet sind.
Das ist in der Praxis selten ein Problem, weil überall dort, wo Swish hängt, in aller Regel auch ein Kartenterminal steht. Ärgerlich kann es an Selbstbedienungsständen am Straßenrand werden, wenn neben den Eiern nur eine Swish-Nummer klebt und keine Kasse des Vertrauens steht.
Bargeld in Schweden: seit Juli 2026 gibt es wieder ein Recht darauf
Schweden hat das Bargeld so weit zurückgedrängt, dass der Staat gegensteuert. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das kontantlagen genannte Gesetz (2026:769): Lebensmittelgeschäfte und Apotheken müssen an bedienten Kassen Bargeld annehmen. Die Pflicht gilt für Beträge bis zu einem Zehntel des Preisbasisbetrags, 2026 sind das 5.920 Kronen, und für höchstens 25 Münzen pro Zahlung. Ausnahmen sind vorgesehen, wenn die Sicherheit des Personals nicht gewährleistet werden kann oder die Kosten der Bargeldhandhabung den Betrieb gefährden.
Das Gesetz hat einen ernsten Hintergrund. Es geht um Menschen ohne BankID und um die Frage, wie ein Land einkauft, wenn Strom oder Netz ausfallen. Für Restaurants, Museen, Busse und Cafés ändert es nichts: Dort darf weiterhin jeder Bargeld ablehnen, und viele tun das auch.
Geld abheben funktioniert an uttagsautomater, umgangssprachlich nach dem Betreiber Bankomat AB einfach bankomat genannt. Sie stehen in Einkaufszentren und an Supermärkten, auf dem Land werden sie dünn. Bankomat hatte Ende 2024 noch 1.206 Automaten im ganzen Land, ein Rückgang von 23 Prozent seit 2021. Im ersten Halbjahr 2026 hob jeder Schwede im Schnitt 323 Kronen pro Monat an den Bankomat-Automaten ab, 5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Über die Jahre sinken die Abhebungen laut Bankomat im Schnitt um 10 Prozent pro Jahr.
Ein paar Hundert Kronen solltest du trotzdem dabeihaben. Nicht zum Einkaufen, sondern für den Fall, dass ein Terminal streikt, und für den Flohmarkt weiter unten.
Trinkgeld: rechne nicht mit Prozenten
In Schweden ist Trinkgeld freiwillig, und zwar in einem Ausmaß, das viele Deutsche erst nach ein paar Tagen glauben. Eine Servicegebühr gibt es nicht. Das Personal wird nach Tarif bezahlt, und die Löhne stecken in den Preisen auf der Karte.
Üblich ist, den Betrag aufzurunden, wenn es gut war. In Cafés, an Kiosken und beim Taxi passiert meist gar nichts. Wer im Restaurant zehn Prozent drauflegt, wird dafür niemanden beleidigen, aber erwartet wird es nicht. Das Terminal fragt in vielen Lokalen aktiv nach dricks, und ein Tippen auf Null ist dort völlig normal.
Pant: dein Leergut ist zwei Kronen wert
Das schwedische Pfandsystem heißt pant und ist der Grund, warum in Ferienhäusern Säcke voller Dosen in der Ecke stehen. Zurückgegeben wird am Automaten im Supermarkt, der Bon wird an der Kasse verrechnet oder gespendet.
Seit dem 1. September 2025 sind die Beträge höher:
| Verpackung | Pfand seit 1.9.2025 | alte Packung |
|---|---|---|
| Aluminiumdose | 2 Kronen | 1 Krone |
| kleine PET-Flasche | 2 Kronen | 1 Krone |
| große PET-Flasche | 3 Kronen | 2 Kronen |
Gültig ist immer der Betrag, der auf der Packung aufgedruckt ist, und weil sich alte und neue Verpackungen noch eine Weile in den Regalen mischen, lohnt ein Blick auf das Pfandzeichen. Alte Dosen kannst du noch bis Ende 2029 abgeben, dann aber zum alten Wert.
Glasflaschen von Wein und Spirituosen haben kein Pfand. Die kommen in den Glascontainer an der Recyclingstation, die in jedem Ort återvinningsstation heißt.
Supermärkte: ICA, Coop, Willys, Lidl
Der schwedische Lebensmittelhandel ist übersichtlich. Vier große Anbieter prägen das Bild, und ICA allein hat laut Dagligvarukartan 2025 etwas mehr als die Hälfte des Marktes (50,6 Prozent). So sortiert es sich:
- ICA ist überall, vom winzigen ICA Nära im Dorf bis zum ICA Maxi am Ortsrand. Die kleinen Läden sind teuer, die großen konkurrenzfähig.
- Coop liegt im mittleren Preisfeld und hat eine große Bio-Eigenmarke.
- Willys gehört zu Axfood und ist die Discountschiene. In der Preisuntersuchung „Koll på kassen“ von Matpriskollen aus dem Mai 2026 hatte Willys den günstigsten Warenkorb.
- Lidl war in dieser Untersuchung nicht dabei, weil das Sortiment zu schmal für einen direkten Vergleich ist. Andere Vergleiche sehen Lidl preislich in derselben Liga wie Willys, bei deutlich weniger Auswahl.
Die Preisunterschiede zwischen einem ICA Nära an der Landstraße und einem Willys in der nächsten Kleinstadt sind erheblich. Mit Ferienhaus lohnt sich deshalb ein Großeinkauf pro Woche im Discounter, unterwegs kaufst du nur Milch und Brot nach. Das gilt für jeden, der länger als ein Wochenende bleibt.
Diese Mehrwertsteuersätze stecken 2026 in deinem Kassenbon:
| Was du kaufst | Mehrwertsteuer |
|---|---|
| Lebensmittel | 6 Prozent, zum 1. April 2026 von 12 gesenkt, befristet bis 31. Dezember 2027 |
| im Restaurant | 12 Prozent, unverändert |
| fast alles andere | 25 Prozent |
Systembolaget: Alkohol gibt es nur hier, und nicht am Sonntag
Bier über 3,5 Volumenprozent, Wein und Spirituosen verkauft in Schweden im Laden nur der staatliche Systembolaget. Ausnahme ist seit Juni 2025 der Hofverkauf kleiner Hersteller (gårdsförsäljning). Im Supermarkt findest du nur folköl mit maximal 3,5 Prozent, das ab 18 Jahren verkauft wird.
Zwei Dinge musst du wissen, sonst stehst du am Freitagabend vor verschlossener Tür:
Altersgrenze 20 Jahre. Nicht 18. Ausweis wird verlangt, sobald jemand jünger als 25 aussieht, ein deutscher Personalausweis oder Reisepass reicht.
Öffnungszeiten. Werktags meist 10 bis 19 Uhr. Samstags schließt der Laden regulär um 15 Uhr, sonntags und an Feiertagen bleibt er zu. Dazu kommen Tage, die viele überraschen: An Midsommarafton und Heiligabend ist Systembolaget komplett geschlossen, Silvester nur bis 15 Uhr geöffnet, und am Tag davor stehen entsprechend viele Leute an. Die nächsten Schließtage stehen im Artikel über Systembolaget, rote Tage und Schulferien im Ferien- und Feiertagskalender. Die Zeiten deiner Filiale prüfst du auf systembolaget.se, lokale Abweichungen sind häufig.
Landesweit gibt es rund 450 Filialen und zusätzlich mehrere Hundert ombud, also Ausgabestellen in normalen Läden auf dem Land. Dorthin bestellst du online und holst die Ware mit Ausweis ab. Dafür brauchst du ein Kundenkonto: sofort mit schwedischer BankID oder Personnummer, mit Wohnsitz in Deutschland nur auf Antrag über das Formular Skapa konto för annat land, und Systembolaget meldet sich, wenn das Konto eingerichtet ist. Als Gast bestellen geht nur mit BankID. Ohne Konto bleibt dir die Filiale zu den Öffnungszeiten oben. Hast du das Konto rechtzeitig, ist das ombud für ein Ferienhaus abseits der Städte die praktischste Lösung, und es ist eine der Stellen, an denen man merkt, wie ernst Schweden die Versorgung der dünn besiedelten Gegenden nimmt. Was so ein Haus sonst noch an Planung verlangt, habe ich beim Winterfestmachen des Ferienhauses aufgeschrieben.
Loppis: wo Bargeld noch zählt
Im Sommer stehen überall handgemalte Schilder an den Landstraßen, auf denen Loppis steht. Dahinter steckt ein Flohmarkt, mal in einer Scheune, mal in einer Garage, mal auf dem Rasen vor dem Haus. Es ist die schönste Art, in Südschweden einen Nachmittag zu verlieren, und es ist einer der wenigen Orte, an denen Bargeld noch ganz normal ist.
Beim Loppis kann man oft bar in Kronen zahlen, und an manchen Ständen nimmt man sogar Euro. Verlassen solltest du dich auf Letzteres nicht, aber es zeigt, wie entspannt die Sache dort läuft. Kleine Scheine und Münzen sind hier Gold wert, an der Supermarktkasse brauchst du sie dagegen kaum. Wer im Sommer durch Skåne oder Blekinge fährt, sollte deshalb ein paar Münzen im Auto haben, falls unterwegs ein Schild auftaucht.
Tax free gibt es für dich nicht
Ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält: Die Mehrwertsteuerrückerstattung an der Grenze oder am Flughafen gilt nur für Reisende mit Wohnsitz außerhalb der EU. Als Deutscher fällst du nicht darunter, egal wie groß das Schild am Ladeneingang ist. Alkohol und Tabak darfst du innerhalb der EU für den eigenen Bedarf mitnehmen, ohne dass Zoll anfällt.
Was bleibt, ist der Wechselkurs, und der schwankt. Schon eine halbe Krone mehr oder weniger pro Euro macht bei einem zweiwöchigen Urlaub einen spürbaren Unterschied. Auf einen bestimmten Kurs solltest du keine Reisekasse aufbauen.
Zum Schluss die kürzeste Fassung: eine Visa oder Mastercard, dazu eine zweite Karte als Reserve, ein paar Hundert Kronen für den Flohmarkt und das Nein zur Euro-Abrechnung. Damit kommst du überall durch, vom Hafen in Trelleborg bis zum Hofladen in Blekinge.
Bist du in Schweden schon einmal irgendwo nicht weitergekommen, weil deine Karte nicht wollte? Schreib es in die Kommentare, ich nehme es in den Artikel auf.
Beitragsbild: Loppis-Schild bei Täby, Foto von Carl Tronders auf Unsplash
Post aus Südschweden
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