Stand: September 2026
Zehn Minuten. So lange sollst du mit dem Auto durch den Fehmarnbelttunnel brauchen, von Puttgarden auf Fehmarn bis Rødbyhavn auf Lolland. Heute dauert allein die Fähre 45 Minuten, das Warten am Anleger nicht mitgerechnet. Für alle, die über Dänemark nach Schweden fahren, ist das die größte Veränderung seit der Öresundbrücke im Jahr 2000. Nur: Wann es so weit ist, weiß im Moment niemand genau. Der Termin hat sich mehrfach verschoben, und der nächste Zeitplan steht noch aus.
Hier steht, was Stand September 2026 belegt ist, was noch offen ist und warum für Ostskåne, Blekinge und Småland auch mit Tunnel die direkte Fähre nach Trelleborg interessant bleibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach Stand September 2026 öffnet der Straßentunnel voraussichtlich 2031 statt 2029, die Bahn folgt später, und ein neuer offizieller Zeitplan steht noch aus.
- Der rund 18 Kilometer lange Absenktunnel verbindet Fehmarn mit Lolland, mit dem Auto brauchst du bei bis zu 110 km/h rund 10 Minuten statt 45 Minuten mit der Fähre.
- Die Maut legt das dänische Verkehrsministerium erst kurz vor der Eröffnung fest, und für die Strecke nach Schweden kommt die Öresundbrücke weiterhin obendrauf.
- Von Hamburg nach Malmö spart der Tunnel ungefähr eine Stunde, denn die längsten Abschnitte durch Schleswig-Holstein und über Seeland bleiben gleich.
- Für Ostskåne, Blekinge, Småland und Kalmar bleibt die direkte Fähre nach Trelleborg interessant, nach Karlskrona etwa fährst du auf dem Landweg 140 Kilometer mehr und zahlst Maut für Tunnel und Brücke.
Inhalt: 8 Abschnitte
- Wann öffnet der Fehmarnbelttunnel?
- Die Eckdaten: Länge, Fahrzeit, Tempo
- Maut für den Tunnel: noch nicht festgelegt
- Die deutsche Seite: Bahnstrecke und Fehmarnsund
- Was passiert mit der Fähre Puttgarden-Rødby?
- Hamburg bis Malmö: heute und mit Fehmarnbelttunnel
- Warum die Fähre nach Trelleborg trotzdem interessant bleibt
- Was du bis zur Eröffnung tun kannst
Wann öffnet der Fehmarnbelttunnel?
Kurze Antwort: nicht vor 2031, und die Bahn kommt noch später. Welche Züge bis dahin nach Schweden fahren, steht im Artikel Mit dem Zug nach Schweden.
Ursprünglich sollte der Tunnel 2029 öffnen, Straße und Schiene gleichzeitig. Davon ist nichts übrig. Im Juli 2025 teilte das Bundesverkehrsministerium mit, dass die Deutsche Bahn die Schienenanbindung auf deutscher Seite nicht bis 2029 fertigbekommt. Die DB selbst schrieb am 23. Juli 2025, die Fertigstellung werde sich über 2029 hinaus verzögern. Das Eisenbahn-Bundesamt hielt eine Verzögerung bis Ende 2032 für möglich.
Auf der Baustelle im Belt läuft es ebenfalls nicht nach Plan. Die dänische Bauherrin Femern A/S, eine Tochter von Sund & Bælt, liegt nach eigenen Angaben rund zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Als Gründe nennt sie Probleme mit dem Spezialschiff, das die Tunnelelemente absenkt, und strenge deutsche Auflagen zu Unterwasserlärm und Arbeitszeiten in deutschen Gewässern. Im Mai 2026 hat Femern A/S deshalb angekündigt, den Tunnel in zwei Etappen zu öffnen: zuerst die Straße, später die Bahn.
Aktueller Stand zu Eröffnung und Tunnelbau
Der aktuelle Stand, laut einer dpa-Meldung vom 20. September 2026:
- Straßentunnel: Eröffnung voraussichtlich 2031 statt 2029
- Bahntunnel: später, ein Jahr steht noch nicht fest
- Neuer offizieller Zeitplan: soll noch 2026 vorgelegt werden
Femern A/S will den neuen Plan erst vorlegen, wenn beim Absenken der ersten Elemente genug Erfahrung gesammelt ist. Das erste von 89 Elementen lag Anfang Mai 2026 auf dem Grund, das dritte am 2. August 2026 und das vierte Ende September 2026. Damit liegen knapp 900 Meter des Tunnels im Graben. Die 79 Standardelemente sind je 217 Meter lang und 42 Meter breit, dazu kommen 10 kürzere Spezialelemente mit Kellergeschoss für die Technik. Bei 89 Stück kannst du dir ausrechnen, dass hier noch einiges passieren muss.
Meine Einschätzung: Plane eine Reise durch den Tunnel frühestens für 2031 ein und rechne damit, dass sich auch diese Zahl noch bewegt.
Die Eckdaten: Länge, Fahrzeit, Tempo
Der Fehmarnbelttunnel wird rund 18 Kilometer lang und laut Femern A/S der längste Absenktunnel der Welt. Er besteht aus fertigen Betonelementen, die in einer Fabrik bei Rødbyhavn gegossen und dann in einen ausgebaggerten Graben im Meeresboden gelegt werden. Gebohrt wird nichts.
- Auto: zwei Fahrspuren plus Standstreifen pro Richtung, bis zu 110 km/h, rund 10 Minuten Fahrzeit
- Bahn: zwei Gleise, bis zu 200 km/h, rund 7 Minuten Fahrzeit
- Heute: Fähre Puttgarden-Rødby rund 45 Minuten, Abfahrten etwa alle 30 Minuten
Der Tunnel verbindet Fehmarn mit Lolland. Welche anderen Wege es nach Schweden gibt, steht in der Übersicht Fähre nach Schweden. Nach Schweden kommst du danach wie heute über Seeland, Kopenhagen und die Öresundbrücke nach Malmö.
Maut für den Tunnel: noch nicht festgelegt
Bezahlt wird der Tunnel von den Nutzern. Die Mauteinnahmen sollen die Baukredite tilgen, so wie bei der Öresundbrücke und der Brücke über den Großen Belt. Den Preis legt das dänische Verkehrsministerium fest, und zwar erst kurz vor der Eröffnung. Für Pendler sind Rabattmodelle vorgesehen.
Eine offizielle Zahl gibt es also noch nicht. Wer dir heute einen Tunnelpreis nennt, rechnet mit alten Prognosen. Als Richtschnur galt in der Planung eine Maut in der Größenordnung der heutigen Fährtickets. Wie viel davon bis 2031 übrig bleibt, kann dir niemand seriös sagen.
Für die ganze Strecke nach Schweden kommt die Öresundbrücke obendrauf. Sie bleibt mautpflichtig, am Tunnel ändert das nichts.
Die deutsche Seite: Bahnstrecke und Fehmarnsund
Der Tunnel selbst ist nur ein Teil des Projekts. Auf deutscher Seite muss die Vogelfluglinie von Lübeck bis Puttgarden neu gebaut werden, und genau dort hakt es am meisten.
Die Bahnstrecke Lübeck bis Puttgarden
Die Schienenanbindung umfasst 88 Kilometer, davon 55 Kilometer Neubau und 33 Kilometer Ausbau der bestehenden Strecke. Das Eisenbahn-Bundesamt rechnete im Juli 2025 mit einer möglichen Verzögerung bis Ende 2032.
Der Fernverkehr von Hamburg nach Kopenhagen läuft schon seit Dezember 2019 nicht mehr über Fehmarn, sondern über Jütland, Odense und die Brücke über den Großen Belt. Die Fahrt dauert gut viereinhalb Stunden. Mit Tunnel und neuer Strecke sollen es rund zweieinhalb Stunden sein. Das ist ein Planwert von 2023, und bis er gilt, vergehen noch Jahre.
Fehmarnsundbrücke und Fehmarnsundtunnel
Die Fehmarnsundbrücke von 1963 ist das Nadelöhr zwischen Festland und Insel. Für schwere Güterzüge reicht sie nicht, deshalb soll daneben ein eigener Tunnel entstehen, der Fehmarnsundtunnel, mit vier Fahrspuren und zwei Gleisen. Auch hier ist der Plan aus dem Ruder gelaufen: Die Kosten stiegen von 714 Millionen Euro (Schätzung 2020) auf 2,3 Milliarden Euro (Oktober 2025), die Fertigstellung könnte sich nach Einschätzung des Eisenbahn-Bundesamts bis Ende 2032 ziehen.
Bis dahin muss die alte Brücke durchhalten. Sie wird bis voraussichtlich 2030 saniert. Laut dpa ist die Rechnung dafür von ursprünglich 30 auf etwa 170 Millionen Euro gestiegen, weil die Schäden an den Betonpfeilern größer sind als gedacht. Für dich als Autofahrer heißt das: Auf dem Weg nach Puttgarden musst du in den nächsten Jahren mit Baustellen auf der Brücke rechnen.
Was passiert mit der Fähre Puttgarden-Rødby?
Scandlines betreibt die Route mit vier Doppelendfähren für Autos und Passagiere im Halbstundentakt, seit März 2026 fährt dort außerdem eine batteriebetriebene Frachtfähre. Die Reederei hat mehrfach erklärt, den Fährverkehr auf der Vogelfluglinie auch nach dem Bau des Fehmarnbelttunnels fortsetzen zu wollen. Wie das konkret aussieht, also wie viele Abfahrten, welche Preise und ob auf Dauer, ist nicht bekannt. Belastbare Pläne dazu habe ich nicht gefunden.
Sicher ist nur: Bis der Tunnel öffnet, bleibt die Fähre der einzige Weg über den Fehmarnbelt. Wer in den nächsten Jahren über Dänemark fährt, nimmt in der Regel die Fähre ab Puttgarden oder ab Rostock nach Gedser.
Hamburg bis Malmö: heute und mit Fehmarnbelttunnel
Rechnen wir die reine Fahrzeit mit dem Auto durch. Die Werte stammen aus denselben Routendaten wie der Fähren-Planer: Hamburg bis Puttgarden sind 152 Kilometer und rund 1 Stunde 45 Minuten, Rødby bis Malmö über Kopenhagen und die Öresundbrücke 195 Kilometer und rund 2 Stunden 20 Minuten.
- Heute über die Fähre: gut 4 Stunden am Steuer, dazu 45 Minuten Überfahrt und die Wartezeit am Anleger. Mit einer halben Stunde Puffer bist du bei gut 5 Stunden von Hamburg bis Malmö.
- Mit Tunnel: gut 4 Stunden am Steuer plus 10 Minuten durch den Belt, rund 4 Stunden 15 Minuten.
Der Tunnel spart dir auf dieser Strecke also ungefähr eine Stunde. Das ist spürbar, vor allem im Sommer, wenn sich in Puttgarden die Autos stauen. Eine Revolution ist es nicht, denn die längsten Abschnitte, die Autobahn durch Schleswig-Holstein und die Fahrt über Seeland, bleiben gleich.
Für Kopenhagen-Urlauber ist der Gewinn am größten. Für Schweden-Reisende hängt es stark davon ab, wohin du willst.
Warum die Fähre nach Trelleborg trotzdem interessant bleibt
Ich fahre meistens mit der Fähre von Rostock nach Trelleborg. Der Weg über Dänemark und die Öresundbrücke lohnt sich für mich bei den aktuellen Spritpreisen eher weniger, und daran wird der Fehmarnbelttunnel wenig ändern. Der Grund liegt auf der schwedischen Seite.
Nimm als Beispiel Karlskrona in Blekinge. Mit Tunnel sieht die Rechnung so aus:
- Hamburg bis Puttgarden: 152 Kilometer
- Tunnel: rund 18 Kilometer
- Rødby bis Karlskrona über die Öresundbrücke: 399 Kilometer, rund 4 Stunden 45 Minuten
Das sind knapp 570 Kilometer und fast sieben Stunden reine Fahrzeit am Steuer. Über Rostock fährst du 197 Kilometer bis zum Hafen und danach 235 Kilometer von Trelleborg über die E22 bis Karlskrona. Macht gut 430 Kilometer und rund fünf Stunden Fahrt, dazwischen liegen etwa sechs Stunden auf dem Schiff.
Schneller bist du auf dem Landweg, das stimmt. Aber du sitzt gut anderthalb Stunden länger am Steuer, fährst 140 Kilometer mehr und zahlst Maut für Tunnel und Brücke. Die sechs Stunden an Bord sind eine Pause. Du isst etwas, gehst an Deck, schläfst eine Stunde und fährst in Trelleborg ausgeruht von der Fähre. Der Weg durch Dänemark ist dagegen eine lange Autofahrt ohne echten Einschnitt.
Dazu kommt die Tageszeit. Ich fahre meist morgens von Rostock los, damit ich vor der Dunkelheit am Haus bin. In den Waldgebieten von Blekinge und Småland ist Wildwechsel ein echtes Risiko, besonders Elche auf der Fahrbahn. Wer nach sieben Stunden Fahrt im Dämmerlicht durch den Wald muss, fährt müde in die gefährlichste Stunde des Tages.
Landweg für Malmö, Helsingborg und Westküste
Anders sieht es aus, wenn du nach Malmö, Helsingborg oder an die Westküste willst. Von Malmö bis Trelleborg sind es nur 32 Kilometer, der Umweg über die Fähre bringt dir im Westen von Skåne also wenig. Hier wird der Tunnel den Landweg ab 2031 attraktiver machen, vor allem für alle, die aus Hamburg, Bremen oder dem Nordwesten kommen. Ideen für die Region findest du in meinem Artikel zum Urlaub in Skåne.
Stand heute gilt: Für Westskåne und Göteborg lohnt es sich ab Tunneleröffnung, beide Wege neu zu vergleichen. Für Ostskåne, Blekinge, Småland und Kalmar bleibt die direkte Fähre für mich die bessere Wahl.
Was du bis zur Eröffnung tun kannst
Bis der Tunnel öffnet, ändert sich für deine Anreise nichts. Die Frage ist wie bisher: Fähre direkt nach Schweden oder Landweg über Dänemark mit Kurzfähre und Öresundbrücke. Was dich beides kostet, mit deinem Verbrauch und deinem Spritpreis, rechnet dir der Anreisekosten-Rechner aus. Wenn du dich für die direkte Fähre entscheidest, hilft dir der Vergleich TT Line oder Stena Line bei der Wahl der Reederei.
Sobald Femern A/S den neuen Zeitplan veröffentlicht, aktualisiere ich diesen Artikel.
Fährst du heute schon über Puttgarden, und würdest du mit dem Tunnel umsteigen?
Beitragsbild: Scandlines-Fähre vor Puttgarden, Fehmarn, Foto von Matteo auf Unsplash
Post aus Südschweden
Ein- bis zweimal im Monat: neue Artikel, was sich bei Fähren und Regeln geändert hat, und was ich zuletzt vor Ort erlebt habe. Als Dankeschön bekommst du die Anreise- und Packliste für deine Schweden-Reise als PDF.