Urlaub in Blekinge: Schären, Marinestadt und Buchenwald

Gut 3.000 Quadratkilometer. Mehr Fläche hat Blekinge nicht, und von allen schwedischen Provinzen ist nur die Insel Öland kleiner. Auf dem Festland ist Blekinge damit die kleinste Provinz des Landes. Für einen Urlaub in Blekinge ist genau das der Vorteil: Du wohnst an einem Ort und erreichst trotzdem in einer Stunde Schären, Sandstrände, eine Barockstadt auf Inseln und Buchenwälder, in denen du stundenlang niemandem begegnest.

Die Schweden nennen Blekinge gern Sveriges trädgård, den Garten Schwedens. Ich kenne die Region seit vielen Jahren, sie gehört neben Skåne und Kalmar län zu dem Teil Schwedens, den ich am besten kenne. Viele Deutsche fahren auf dem Weg nach Småland oder Stockholm einfach hindurch und lassen Schären, Sandstrände und Buchenwälder links liegen.

Karte: Blekinge mit Sölvesborg, Hanö, Karlshamn, Tjärö, Ronneby und Karlskrona
Blekinge auf der Karte: goldene Punkte sind die Hauptorte, weiße Punkte Ausflugsziele. Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Natural Earth.

Das Wichtigste in Kürze

  • Blekinge ist die kleinste Provinz auf dem schwedischen Festland, darum erreichst du von einem Quartier um Karlshamn oder Ronneby fast alles in einer halben bis dreiviertel Stunde.
  • Zum Baden ist der Westen am besten, auf Listerlandet liegen mit Sandviken und Hällevik flache Sandstrände für Familien mit kleinen Kindern.
  • Wenn du nur eine Stadt anschaust, dann Karlskrona: Der Marinehafen ist seit 1998 Welterbe, und für das Marinmuseum brauchst du mindestens einen halben Tag.
  • Den Schärengarten vor Karlskrona erreichst du ohne eigenes Boot am einfachsten mit der kostenlosen Autofähre nach Aspö, die das ganze Jahr etwa stündlich fährt.
  • Für einen ersten Urlaub passt der August am besten, dann ist das Wasser am wärmsten und die Boote fahren noch, und ab Trelleborg sind es bis Karlskrona rund 235 Kilometer.
Inhalt: 9 Abschnitte
  1. Eine Provinz entlang der E22
  2. Sölvesborg, Listerlandet und Hanö: der Westen
  3. Karlshamn und Tjärö: die Mitte
  4. Ronneby: der Kurpark mit japanischem Garten
  5. Karlskrona: Urlaub in Blekinges Marinestadt
  6. Blekingeleden: zu Fuß quer durch die Provinz
  7. Wann sich ein Urlaub in Blekinge lohnt
  8. So kommst du nach Blekinge
  9. Blekinge oder Skåne?

Eine Provinz entlang der E22

Blekinge liest sich am leichtesten von West nach Ost. Die E22 zieht sich wie eine Perlenschnur durch die Provinz, und an ihr liegen die vier Städte, um die sich fast alles dreht: Sölvesborg, Karlshamn, Ronneby und Karlskrona. Von Sölvesborg bis Karlskrona sind es keine 90 Kilometer. Wer Blekinge als Etappe einer größeren Runde plant, findet die ganze Strecke im Roadtrip durch Südschweden.

Knapp 160.000 Menschen leben in Blekinge. Nördlich der Küste wird es schnell leer, dort beginnt Wald mit kleinen Seen, der ohne Grenze in Småland übergeht. Die Küste selbst ist zweigeteilt. Im Westen, auf der Halbinsel Listerlandet, gibt es lange Sandstrände. Richtung Osten wird sie felsig, zerklüftet und voller Inseln.

Wenn du nur eine Woche hast, nimm dir ein Quartier in der Mitte, um Karlshamn oder Ronneby. Von dort bist du in einer halben bis dreiviertel Stunde in beiden Richtungen am Ziel.

Sölvesborg, Listerlandet und Hanö: der Westen

Sölvesborg ist die erste Stadt, die du aus Skåne kommend erreichst. Der Ort ist klein, mit einer mittelalterlichen Kirche und einer Altstadt, die in einer halben Stunde erlaufen ist. Auffälliger ist die Sölvesborgsbron, eine Brücke nur für Fußgänger und Radfahrer. Sie ist rund 760 Meter lang und war bei ihrer Eröffnung 2013 die längste ihrer Art in Europa. Inzwischen hat eine Brücke in Groningen sie überholt.

Zum Baden ist der Westen die beste Ecke der Provinz. Auf Listerlandet liegen Sandviken und Hällevik, mit feinem Sand und flachem Wasser. Familien mit kleinen Kindern suchen am besten genau hier. Denk dabei an Zeckenschutz: Sölvesborg, Ronneby und Olofström zählen laut Folkhälsomyndigheten zu den Gebieten mit mäßigem bis hohem FSME-Vorkommen (Stand Mai 2026). Was das für die Impfung heißt, steht in der Packliste für den Schweden-Urlaub.

Anfang Juni ist in der Gegend eine Woche lang Ausnahmezustand. Dann findet in Norje bei Sölvesborg das Sweden Rock Festival statt, eines der größten Rockfestivals Skandinaviens. Wer Ruhe sucht, sollte diese Tage meiden, Unterkünfte im Umkreis sind dann früh vergeben.

Hanö: eine Insel mit englischem Friedhof

Vom Hafen Nogersund fährt das ganze Jahr über eine Fähre in knapp 30 Minuten nach Hanö. Die Insel ist klein und gut zu Fuß zu erkunden. Auf ihr steht ein Leuchtturm von 1906, im Süden leben Damhirsche, die in den 1950er Jahren ausgesetzt wurden.

Die eigentliche Geschichte ist eine andere. Von 1810 bis 1812 nutzte die britische Marine Hanö während der Napoleonischen Kriege als Stützpunkt. Fünfzehn Seeleute starben in dieser Zeit und liegen auf dem engelska kyrkogården, dem englischen Friedhof der Insel. Ein seltsamer Ort mitten in der Ostsee, und einer der Gründe, warum sich Hanö als Tagesausflug im Westen Blekinges lohnt.

Karlshamn und Tjärö: die Mitte

Karlshamn ist eine Hafenstadt mit hübschem Zentrum und einer Geschichte, die viele Deutsche aus einem Roman kennen, ohne es zu wissen. Über den Hafen verließen im 19. Jahrhundert Tausende Schweden das Land in Richtung Amerika. Im Hafenpark steht seit 1959 das Utvandrarmonumentet von Axel Olsson, ein Mann und eine Frau aus Bronze. Im Volksmund heißt es „Karl-Oskar och Kristina“, nach Vilhelm Mobergs Auswanderer-Romanen.

Draußen an der Hafeneinfahrt liegt die Insel Frisholmen mit dem Kastellet, einer Festung, deren Anlagen ab 1675 gegen die Dänen gebaut wurden. Im Sommer erreichst du sie mit dem Boot.

Zwischen Karlshamn und Ronneby liegt die Insel Tjärö. Von Järnavik bringt dich im Sommer ein Boot in etwa 15 Minuten hinüber. Auf der Insel gibt es ein Naturreservat mit Weiden und Lindenwald, dazu Restaurant, Café, Herberge und Kanuverleih. Wenn du einmal eine Nacht auf einer Schäreninsel verbringen willst, ohne ein Boot zu besitzen, ist Tjärö die einfachste Möglichkeit.

Ronneby: der Kurpark mit japanischem Garten

Ronneby war einmal ein Kurort. 1705 wurde am Fluss die erste Quelle erschlossen, deren eisenhaltiges Wasser die Gäste tranken und in dem sie badeten. Ende des 19. Jahrhunderts war Ronneby brunn das meistbesuchte Bad Schwedens. Die letzte Kursaison gab es 1939.

Geblieben ist der Brunnsparken. Der Landschaftsarchitekt Sven-Ingvar Andersson hat ihn in den 1980er Jahren neu gestaltet und unter anderem einen Rosengarten, einen Wassergarten und einen japanischen Garten angelegt. 2005, zum 300. Geburtstag, wurde er zu Schwedens schönstem Park gewählt. Direkt dahinter beginnt der Brunnsskogen, ein Wald mit markierten Wanderwegen.

Plan für den Brunnsparken zwei bis drei Stunden ein und besuch ihn im Mai oder Juni, wenn alles frisch grün ist.

Karlskrona: Urlaub in Blekinges Marinestadt

Wenn du in Blekinge nur eine Stadt anschaust, dann Karlskrona. Was du dort ansehen solltest, steht in meinem Stadtführer Karlskrona: Sehenswürdigkeiten, Schären und Tipps. König Karl XI. gründete sie 1680 als Stützpunkt für die Flotte, näher an Dänemark und im Winter eisfrei, anders als Stockholm. Bis heute ist Karlskrona der wichtigste Marinehafen Schwedens. In der Gemeinde Karlskrona steht auch unser Ferienhaus. Was man vor dem Kauf eines Hauses wissen sollte, habe ich im Ratgeber Haus in Schweden kaufen zusammengefasst. Die Inserate dazu stehen fast alle auf Hemnet. Seit 1998 steht der Marinehafen auf der Liste des UNESCO-Welterbes.

Die Stadt verteilt sich auf rund 30 Inseln, die Hauptinsel heißt Trossö. Am Stortorget, mit 25.000 Quadratmetern dem größten historischen Marktplatz Schwedens, stehen zwei Kirchen aus der Barockzeit: die Fredrikskyrkan, entworfen von Nicodemus Tessin dem Jüngeren, und die Trefaldighetskyrkan, auch Deutsche Kirche genannt. Die Amiralitetskyrkan aus Holz gehört zu den größten Holzkirchen des Landes. Vor ihr steht die Figur des Rosenbom, den Leser von Selma Lagerlöfs Nils Holgersson kennen.

Plan für das Marinmuseum mindestens einen halben Tag ein. Es liegt direkt am Wasser auf Stumholmen, erzählt die Geschichte der schwedischen Marine und zählt rund 250.000 Besucher im Jahr.

Die Schären vor Karlskrona

Vor der Stadt beginnt der eigentliche Grund für einen Urlaub in Blekinge: der skärgård, der Schärengarten. Nach Zählung von Visit Karlskrona liegen hier 1.650 Inseln, Holme und Schären, von Hasslö im Westen bis Utlängan im Osten. Seit 2011 ist die Küste zwischen Karlshamn und Karlskrona als Biosphärenreservat Blekinge Arkipelag von der UNESCO anerkannt. Das Gebiet umfasst rund 2.600 Quadratkilometer, drei Viertel davon Wasser, mit mehr als 50 Naturreservaten.

Drei Wege aufs Wasser, ohne eigenes Boot:

  • Aspö: Die Autofähre ab Handelshamnen ist kostenlos, fährt das ganze Jahr etwa stündlich und braucht rund 25 Minuten. Auf Aspö liegt die Festung Drottningskär, die zum Welterbe gehört und im Sommer für Ausstellungen und Konzerte genutzt wird.
  • Skärgårdsbåtar ab Fisktorget: Im Sommer fahren täglich Linienboote zu Inseln wie Tjurkö und Stenshamn. Das Ticket kaufst du an Bord, mit Karte oder Swish.
  • Sturkö und Hasslö: Beide erreichst du über Brücken mit dem Auto. Sturkö ist die größte Insel Blekinges, Hasslö hängt über Almö am Festland.

Am besten nimmst du die kostenlose Fähre nach Aspö am späten Nachmittag. Du siehst Karlskrona vom Wasser aus, so wie die Stadt gedacht war, und es kostet dich nichts außer einer Stunde.

Für einen Regentag habe ich einen Tipp aus meiner Gegend: Rödeby Antikt nördlich von Karlskrona. Schweden hat eine unglaublich tolle Loppis-Kultur, und es macht Spaß zu sehen, was für Schätze dort im Umlauf sind.

Ganz im Osten, kurz vor der Grenze nach Kalmar län, liegt noch Kristianopel, ein winziges Dorf, das der dänische König Christian IV. um 1600 als Festungsstadt anlegen ließ. Die Stadtmauer entstand 1603 bis 1606 und ist zum Teil erhalten, einen Kilometer davon kannst du ablaufen. Es passt gut als Abstecher auf dem Weg nach Kalmar.

Blekingeleden: zu Fuß quer durch die Provinz

Die Blekingeleden ist ein Fernwanderweg von Sölvesborg bis in die Gegend nordöstlich von Karlskrona. Die Angaben zur Länge schwanken je nach Quelle zwischen gut 230 und 270 Kilometern. Die Betreiber teilen den Weg in 15 Etappen zwischen 9 und 30 Kilometern.

Der Weg läuft größtenteils durch das Landesinnere, über Waldpfade und Schotterwege, vorbei an Seen und Buchenwäldern. Du musst ihn nicht am Stück gehen. Such dir am besten eine einzelne Etappe um Ronneby oder Karlshamn aus und lauf sie als Tageswanderung, das zeigt dir das andere Blekinge abseits der Küste.

Wann sich ein Urlaub in Blekinge lohnt

Im schwedischen Vergleich hat Blekinge warme Sommer und milde Winter. Das Wasser der Ostsee braucht trotzdem Zeit. Baden macht erst ab Ende Juni Spaß.

Mai und Juni: Die Buchenwälder sind hellgrün und die Tage lang. Viele Schärenboote fahren erst ab Mittsommer im vollen Sommerfahrplan, prüf das vorher. Für Wanderungen auf der Blekingeleden die beste Zeit.

Juli: Hauptferienzeit der Schweden. Die Schären sind belebt, Unterkünfte an der Küste teuer und oft lange im Voraus ausgebucht.

August: Die beste Zeit für einen ersten Urlaub in Blekinge. Das Wasser ist am wärmsten, ab Mitte des Monats sind die Schweden wieder bei der Arbeit, und die Boote fahren noch.

Herbst und Winter: Viele Linienboote und Inselcafés haben dann Pause, die Städte werden still. Auch im Süden kann es im Winter verschneit sein, und viele Nebenstraßen sind dann mit festgefahrenem Schnee und Eis bedeckt. Winterreifen sind in Schweden bei winterlichen Straßenverhältnissen Pflicht, mehr dazu im Artikel über Auto und Führerschein in Schweden.

Mehr Ideen für Ausflüge in ganz Blekinge sammelt das regionale Tourismusbüro Visit Blekinge, dessen Website es auch auf Deutsch gibt.

Blekinge als Teil einer Rundreise

In meinem E-Book ist Blekinge eine Etappe der großen Runde durch Südschweden, mit Halt in Karlshamn oder Ronneby und zwei Nächten in Karlskrona. Dazu drei weitere Routen, Fahrzeiten und Planer zum Ausdrucken. 56 Seiten als PDF, 14 €.

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So kommst du nach Blekinge

Ich fahre fast immer mit der Fähre von Rostock nach Trelleborg. Von dort nach Blekinge nimmst du am besten die E22, sie beginnt in Trelleborg und führt über Malmö, Lund und Kristianstad direkt durch die Provinz. Sölvesborg erreichst du in knapp zwei Stunden, bis Karlskrona sind es rund 235 Kilometer. Dafür brauche ich etwa drei Stunden. Meist mache ich unterwegs in Karlshamn Pause und kaufe im ICA ein paar Lebensmittel ein.

Wer lieber über die Öresundbrücke fährt, sitzt länger am Steuer und hat bei den aktuellen Benzinpreisen wenig gewonnen. Ob TT Line oder Stena Line besser zu dir passt, steht im Vergleich der beiden Reedereien. Welche Route von deinem Wohnort aus am schnellsten ist, rechnet dir der Fähren-Planer für Schweden aus.

Direkt nach Blekinge fahren auch Fähren: Stena Line fährt von Gdynia in Polen nach Karlskrona, die Überfahrt dauert rund zehneinhalb Stunden, und POLSCA, die gemeinsame Marke von Polferries und Unity Line, fährt von Danzig nach Karlshamn. Aus Deutschland fährt TT Line bei ausgewählten Abfahrten ab Travemünde bis Karlshamn, welche das sind, zeigt die Buchung. Die Wege über Polen sind für die meisten Reisenden aus Deutschland ein Umweg. Interessant werden sie, wenn du aus dem Osten Deutschlands kommst oder die Reise mit Polen verbinden willst.

Vor Ort brauchst du ein Auto. Zwischen den Städten fahren zwar Züge und Busse, aber die Anleger, Badebuchten und Wanderparkplätze liegen fast alle abseits. Bargeld brauchst du kaum, ein paar hundert Kronen für den Loppis schaden aber nicht. Fast alles geht mit Karte, auch das Ticket für das Schärenboot. Swish, die schwedische Bezahl-App, funktioniert nur mit schwedischem Bankkonto und ist für Urlauber deshalb keine Option.

Blekinge oder Skåne?

Die ehrliche Antwort hängt davon ab, was du suchst. Skåne hat die bekannteren Strände, mehr Städte und mehr Gastronomie, und du bist nach der Fähre sofort da. Dafür ist es flach, landwirtschaftlich und im Juli voll.

Blekinge ist ruhiger, bewaldeter und hat die schöneren Schären. Die Anreise dauert ein bis zwei Stunden länger. Wer rote Holzhäuser am Wasser, Inseln und Wald sucht, ist hier richtig.

Am besten verbindest du beides: eine Woche in einem Ferienhaus zwischen Karlshamn und Karlskrona, und auf dem Rückweg zwei Tage in Österlen. Wenn du ein Haus für den Sommer suchst, fang im Winter damit an, die Häuser am Wasser sind früh weg.

Beitragsbild: Holzhäuser am Wasser in Karlskrona, Foto von Patrick Federi auf Unsplash

Selbst erlebtStand: September 2026

Diesen Artikel habe ich aus eigener Erfahrung geschrieben.


Post aus Südschweden

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