Öland Urlaub: Kalmar, Alvar und Windmühlen an der Ostsee

Sechs Kilometer Beton trennen zwei völlig verschiedene Urlaube. Auf der einen Seite des Kalmarsunds liegt Kalmar, eine alte Handelsstadt mit Renaissanceschloss und Barockdom. Auf der anderen Seite beginnt Öland, eine lange, flache Kalkinsel mit Windmühlen, Steppe und weißen Sandstränden. Wer einen Öland Urlaub plant, sollte beide Seiten mitnehmen. Viele fahren in Kalmar nur durch und verschenken damit die schönste Pause der ganzen Anreise.

Ich bin seit über 30 Jahren in Südschweden unterwegs, und Kalmar län gehört für mich genauso dazu wie Skåne und Blekinge. Über diese Gegend schreiben deutsche Schweden-Seiten erstaunlich wenig, obwohl sie von der Fähre aus in einem Tag erreichbar ist.

Karte: Kalmar und Öland mit Kalmar und Borgholm
Kalmar und Öland auf der Karte: goldene Punkte sind die Hauptorte, weiße Punkte Ausflugsziele. Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Natural Earth.

Das Wichtigste in Kürze

  • Übernachte mindestens einmal in Kalmar, das mit Schloss, Barockdom und Altstadt die schönste Pause der Anreise ist und ab Trelleborg auf der E22 rund 314 Kilometer entfernt liegt.
  • Die rund sechs Kilometer lange Ölandbrücke ist für Autos kostenlos, Radfahrer dürfen nicht hinüber und nehmen im Hochsommer die Fahrradfähre Dessi.
  • Im Süden liegen das Alvar, die Welterbe-Landschaft von Süd-Öland und Långe Jan, der höchste Leuchtturm Schwedens, im Norden Wald und bei Böda rund 20 Kilometer Sandstrand.
  • Von den einst rund 2.000 Windmühlen stehen noch gut 350, das beste Licht für Fotos haben sie abends an der Westseite der Insel.
  • Meide den Juli, für einen ersten Urlaub passt der September mit dem Erntefest Skördefest am besten, und plan für die Insel mindestens fünf Tage ein.
Inhalt: 8 Abschnitte
  1. Kalmar: die Stadt, in der Skandinavien einmal eins war
  2. Über die Ölandbrücke auf die Insel
  3. Öland verstehen: eine Insel, zwei Welten
  4. Die Windmühlen: Öland im Bild
  5. Beste Reisezeit für einen Öland Urlaub
  6. Anreise: von Trelleborg über die E22
  7. Wo du wohnen solltest
  8. Was du vor der Reise wissen solltest

Kalmar: die Stadt, in der Skandinavien einmal eins war

Kalmar hat gut 42.000 Einwohner, die ganze Gemeinde rund 73.000. Klein also. Trotzdem ist hier ein Stück europäischer Geschichte passiert: 1397 wurde in Kalmar die Kalmarer Union geschlossen. Dänemark, Norwegen und Schweden standen damit unter einer gemeinsamen Krone, angeführt von Königin Margrethe I. Die Union hielt bis 1523, dann ging Schweden unter Gustav Vasa eigene Wege.

Schloss Kalmar

Kalmar slott steht auf einer kleinen Insel am Rand der Altstadt, umgeben von Wassergraben und Wällen. Der erste Verteidigungsturm entstand um 1180. Seine heutige Gestalt bekam das Schloss im 16. Jahrhundert unter Gustav Vasa und seinen Söhnen Erik XIV. und Johan III., die aus der mittelalterlichen Festung ein Renaissanceschloss machten. Statens fastighetsverk, die staatliche Liegenschaftsverwaltung, nennt es das besterhaltene Renaissanceschloss des Nordens.

Das Schloss ist ganzjährig geöffnet. Plan zwei Stunden ein, eher mehr, wenn du Kinder dabeihast. Die Räume aus der Zeit Johans III. mit ihren Decken und Wandvertäfelungen sind der Grund für den Besuch, nicht die Außenansicht.

Dom und Altstadt

Der Kalmar domkyrka am Stortorget sieht aus, als stünde er in Rom. Das ist kein Zufall. Nicodemus Tessin der Ältere hat ihn nach italienischen und französischen Vorbildern entworfen. Der Bau begann 1660, geweiht wurde die Kirche 1682, fertig war sie erst 1703. Krieg und leere Kassen haben 43 Jahre daraus gemacht.

Rund um den Dom liegt Kvarnholmen, die Altstadtinsel mit rechtwinkligem Straßennetz und Resten der Stadtmauer. Hier sitzt du abends am besten. Die Strecke vom Dom zum Schloss ist ein Spaziergang von einer Viertelstunde durch den Stadtpark.

Zum Essen gehe ich in Kalmar am liebsten zu Kroppkakan in der Arvid Västgötes gata 1, ein kleines Lokal, in dem es Kroppkakor gibt, die gefüllten Kartoffelklöße (mehr dazu im Artikel über Karlskrona). Am 6. Oktober 2026 bekam ich zwei Kroppkakor mit Butter, Preiselbeeren und Sahne, dazu ein Getränk, und zahlte zusammen 100 Kronen. Prüf die Öffnungszeiten vor deinem Besuch, sie stehen am Eingang.

Übernachte am besten mindestens einmal in Kalmar, bevor du auf die Insel fährst. Die Stadt ist im Juli deutlich entspannter als Borgholm. Wer noch eine Insel anhängen will: Von Oskarshamn, gut eine Stunde nördlich, fahren die Fähren nach Gotland.

Über die Ölandbrücke auf die Insel

Die Ölandsbron ist 6.072 Meter lang und wurde am 30. September 1972 eröffnet. Bis 1998 war sie die längste Brücke Europas. Am westlichen Ende, auf der Kalmarer Seite, macht sie einen markanten Buckel: Dort liegt die Durchfahrt für Schiffe, 36 Meter hoch.

Für Autos kostet die Überfahrt nichts. Anders als bei der Öresundbrücke gibt es keine Maut, keine Schranke, keine Kasse. Radfahrer dürfen seit 1995 nicht mehr über die Brücke. Mit dem Rad nimmst du deshalb im Hochsommer die Fahrradfähre Dessi zwischen Kalmar und Färjestaden. Sie fuhr 2026 von Mitte Juni bis Mitte August und nimmt bis zu 50 Räder je Fahrt mit. Den Rest des Jahres bleibt der Regionalbus: Kalmar länstrafik nimmt ein Rad pro Person kostenlos mit, hinten am Bus ist Platz für zwei Räder.

An Samstagen im Juli, wenn viele Ferienhäuser den Mieter wechseln, kann es auf der Brücke zäh werden. An diesen Tagen fährst du am besten früh am Morgen oder nach 18 Uhr.

Öland verstehen: eine Insel, zwei Welten

Öland ist 137 Kilometer lang und an der breitesten Stelle 16 Kilometer breit. Rund 27.000 Menschen leben hier das ganze Jahr. Im Sommer sieht das anders aus: In den Wochen um Mitsommer und im Juli ist die Insel ein Vielfaches voller.

Die Brücke setzt dich ungefähr in der Mitte der Insel ab. Von dort entscheidest du: nach Süden oder nach Norden. Die beiden Hälften fühlen sich an wie zwei verschiedene Inseln.

Der Süden: Alvar und Welterbe

Südlich der Brücke wird die Landschaft leer. Bäume verschwinden, der Boden wird dünn, und darunter liegt Kalkstein, der an vielen Stellen offen zutage tritt. Das ist das alvar, eine Art Kalksteppe, die es in dieser Form fast nirgends sonst in Europa gibt.

Das Stora Alvaret ist rund 37 Kilometer lang und 15 Kilometer breit, etwa ein Fünftel der ganzen Insel. Im Mai beginnt hier die Orchideenblüte, im Juni erreicht sie ihren Höhepunkt. Wer Pflanzen mag, sollte genau dann kommen.

Im Jahr 2000 hat die UNESCO die Agrarlandschaft von Süd-Öland (Södra Ölands odlingslandskap) zum Welterbe erklärt. Das Gebiet umfasst gut 56.000 Hektar, ungefähr ein Drittel der Insel. Geschützt ist dabei nicht nur die Natur, sondern die Art, wie hier seit Jahrtausenden gewirtschaftet wird: Straßendörfer, Steinmauern, Weideland, Äcker. Die Landschaft wird bis heute bewirtschaftet, und das Vieh auf dem Alvar hält sie offen.

Eketorps borg liegt im Südosten. Von 19 bekannten Burgen aus der Eisenzeit auf Öland ist Eketorp die einzige, die vollständig ausgegraben und wieder aufgebaut wurde. Die Grabungen liefen von 1964 bis 1974, 1984 wurde das Freilichtmuseum eröffnet. Innerhalb des runden Steinwalls stehen rekonstruierte Wohnhäuser, Ställe und Vorratshäuser. Im Sommer gibt es Führungen und Mitmachprogramm für Kinder.

Ganz im Süden steht Långe Jan, mit 41,6 Metern der höchste Leuchtturm Schwedens. Er brennt seit 1785. Im Sommer kannst du gegen Eintritt die knapp 200 Stufen hinaufsteigen. Rundherum liegt das Naturreservat Ottenby, einer der bekanntesten Plätze für Vogelbeobachtung im Land. Im April und Mai ziehen hier Tausende Zugvögel durch, im Herbst noch einmal.

Der Norden: Borgholm, Wald und Sand

Nördlich der Brücke wird Öland grüner. Borgholm ist der Hauptort der Insel und im Sommer ihr lautester Fleck. Über der Stadt steht die Ruine von Borgholms slott. Die Festung wurde über Jahrhunderte aus- und umgebaut, nie ganz fertig und brannte im Oktober 1806 aus. Seitdem ist sie Ruine, im Sommer mit Konzerten zwischen den Mauern. Johnny Cash und Bob Dylan haben hier schon gespielt.

Ein paar hundert Meter weiter liegt Solliden, die Sommerresidenz der schwedischen Königsfamilie. Königin Victoria ließ die Villa zwischen 1903 und 1906 bauen, heute gehört sie König Carl XVI. Gustaf privat. Das Haus selbst ist nicht zu besichtigen, der Park schon, von Anfang Mai bis Ende September. Am 14. Juli, dem Geburtstag von Kronprinzessin Victoria, feiert ganz Borgholm den Victoriadagen mit Umzug und Konzert in der Schlossruine. Wenn du an dem Tag auf der Insel bist, ist das ein Erlebnis. Wenn du Ruhe suchst, meide Borgholm an diesem Datum.

Weiter im Norden liegt Böda. Die Bucht dort hat rund 20 Kilometer Sandstrand, gesäumt von Kiefernwald. Es ist der längste Strand der Insel und gilt als kinderfreundlich, weil das Wasser flach abfällt. Für Familien mit kleinen Kindern ist das die erste Wahl.

Die Windmühlen: Öland im Bild

Ende des 19. Jahrhunderts drehten sich auf Öland rund 2.000 Windmühlen. Heute stehen noch gut 350. Die meisten sind stubbkvarnar, Bockwindmühlen, bei denen sich das ganze Mühlenhaus auf einem Eichenstumpf in den Wind dreht. Kein anderes Wahrzeichen prägt die Insel so wie sie.

Du musst keine Mühlen suchen. Sie stehen an Feldrändern, in Dörfern und oft in Reihen entlang der Straße. Fürs Foto reicht der Blick vom Wegrand. Das beste Licht haben sie am Abend auf der Westseite der Insel, wenn die Sonne über dem Kalmarsund untergeht.

Beste Reisezeit für einen Öland Urlaub

Der Juli ist die schlechteste Wahl, auch wenn er am wärmsten ist. Schwedische Sommerferien, volle Strände, ausgebuchte Ferienhäuser, Stau an der Brücke. Wenn du nur im Juli kannst, buch früh und wohn im Süden, dort verteilt sich der Andrang besser als um Borgholm.

Für Pflanzen und Vögel ist Ende Mai bis Mitte Juni die Zeit. Das Alvar blüht, die Tage sind lang, und die Schweden sind noch nicht in den Ferien.

Für einen ersten Urlaub auf Öland passt aber der September am besten. Das Wasser ist noch nicht kalt, die Insel wird ruhig, und am Ende des Monats kommt das Skördefest, das Erntefest der Insel. Höfe, Hofläden, Handwerker und Restaurants auf ganz Öland öffnen dann ihre Türen, an einem langen Wochenende gibt es über 900 Programmpunkte. Die genauen Termine stehen jedes Jahr auf skordefest.nu. Unterkünfte für dieses Wochenende sind früh weg, fast wie im Juli.

Welche Feste die Schweden sonst über das Jahr feiern, habe ich im Überblick zu schwedischen Feiertagen und Bräuchen gesammelt.

Kalmar und Öland auf einer Rundreise

Kalmar und Öland sind in meinem E-Book fester Teil aller vier Routen durch Südschweden, von der Woche an der Ostseeküste bis zur großen Runde. Mit Fahrzeiten, Etappen, Straßenregeln und Planern. 56 Seiten als PDF, 14 €.

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Anreise: von Trelleborg über die E22

Ich fahre fast immer mit der Fähre von Rostock nach Trelleborg. Für Kalmar und Öland ist das auch die naheliegende Verbindung. Die Überfahrt dauert rund sechs Stunden. Ob TT Line oder Stena Line besser zu dir passt, steht in meinem Vergleich der beiden Reedereien.

Von Trelleborg nach Kalmar sind es rund 314 Kilometer, ungefähr vier Stunden Fahrt. Du nimmst die E22, die direkt in Trelleborg beginnt und über Lund, Kristianstad und Karlskrona bis nach Kalmar führt. Von dort sind es noch einmal gut zehn Minuten bis auf die Brücke. Bis nach Böda im Norden rechnest du ab Kalmar mit gut einer weiteren Stunde, bis Långe Jan im Süden ähnlich. Wie sich Öland in eine längere Rundreise einfügt, zeigt der Vorschlag für einen Roadtrip durch Südschweden.

Mit einer Nachtfähre und einer frühen Ankunft schaffst du die Strecke an einem Tag. Mit einer Tagesfähre übernachtest du am besten unterwegs, etwa in Karlskrona, oder du verbringst die ersten Nächte in Skåne und ziehst dann weiter. Welche Verbindungen von deiner Heimatstadt aus in Frage kommen, zeigt dir der Fähren-Planer für Schweden.

Wo du wohnen solltest

Das hängt davon ab, was du willst.

  • Strand und Kinder: der Norden, rund um Böda oder Byxelkrok. Viel Wald, lange Strände, Campingplätze und Ferienhäuser.
  • Natur, Ruhe, Vögel: der Süden, zwischen Mörbylånga und Ottenby. Hier bist du am Alvar und in der Welterbe-Landschaft.
  • Kultur und kurze Wege: Kalmar. Von hier aus machst du Tagesausflüge auf die Insel und hast abends Restaurants, Schloss und Altstadt vor der Tür.
  • Mittendrin: Borgholm und Köpingsvik. Praktisch, im Juli aber voll.

Für eine Woche passt ein Ferienhaus in der Mitte der Insel an der Westküste, dazu zwei Nächte in Kalmar. Von der Mitte aus erreichst du Nord- und Südspitze jeweils in etwa einer Stunde, und du hast die Abendsonne über dem Sund. Wie du so ein Haus rechtzeitig findest, steht in meinem Ratgeber Ferienhaus in Schweden mieten.

Wer außerhalb der Saison ein Ferienhaus mietet, sollte nach der Heizung fragen. Ein Holzhaus warm zu halten kann im Herbst und Winter ganz schön Energie kosten. Worauf es ankommt, beschreibe ich in meinem Text über das Ferienhaus im schwedischen Winter.

Was du vor der Reise wissen solltest

Öland ist flach und windig. Der Wind kommt fast immer, und an der Ostküste kann er einen Strandtag schnell beenden. Nimm eine Jacke mit, auch im Juli.

Die Insel ist kein Wandergebirge und kein Schärengarten. Wer dichte Wälder, Seen und Elche sucht, ist in Småland besser aufgehoben, die Grenze liegt gleich hinter Kalmar. Öland ist Licht, Weite, Steinmauern und Himmel. Gerade das macht für viele den Reiz aus, aber es ist Geschmackssache.

Plan für die Insel mindestens fünf Tage ein. Zwischen Nord- und Südspitze liegen rund 137 Kilometer, und du willst nicht jeden Tag zwei Stunden im Auto sitzen.

Das Skördefest Ende September ist der beste Anlass, den es für einen ersten Besuch auf Öland gibt. Schau früh nach einer Unterkunft und nach deiner Fähre, sonst entscheidet der Kalender für dich.

Veranstaltungen, Unterkünfte und Restaurants auf der Insel listet der offizielle Besucherführer oland.se, auch auf Deutsch.

Beitragsbild: Bockwindmühle auf Öland, Foto von Rasmus Andersen auf Unsplash

Selbst erlebtStand: September 2026

Diesen Artikel habe ich aus eigener Erfahrung geschrieben.


Post aus Südschweden

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