Westküste Schweden: Urlaub zwischen Sandstrand und Schären

Stand: September 2026

Die Westküste Schwedens sind zwei Küsten. Im Süden liegt Halland mit kilometerlangen Sandstränden, Dünen und flachem Wasser, in dem Kinder weit hinauslaufen können. Nördlich von Göteborg beginnt Bohuslän, und dort ist plötzlich alles Fels: rötlicher Granit, Tausende Inseln, Fischerdörfer, deren Holzhäuser an den Klippen kleben. Halland liegt am Kattegat, Bohuslän reicht vom Kattegat bis ans Skagerrak, und beide hängen an derselben Autobahn, der E6.

Eine ehrliche Vorbemerkung: Die Westküste gehört nicht zu den Gegenden, die ich aus eigener Anschauung kenne. Ich bin seit über 30 Jahren in Südschweden unterwegs, in Skåne, Blekinge und Kalmar län. Was hier über Halland und Bohuslän steht, habe ich recherchiert und an offiziellen Quellen geprüft. Wo ich eine Meinung habe, sage ich das dazu.

Karte: Die Westküste von Halland bis Bohuslän mit Mellbystrand, Falkenberg, Varberg, Marstrand, Käringön, Smögen, Fjällbacka, Grebbestad, Koster und Tanum
Die Westküste von Halland bis Bohuslän auf der Karte: goldene Punkte sind die Hauptorte, weiße Punkte Ausflugsziele. Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Natural Earth.

Das Wichtigste in Kürze

  • Halland mit Sandstränden und flachem Wasser passt zu Familien mit kleinen Kindern, Bohuslän nördlich von Göteborg mit Granitschären und Fischerdörfern zu Bootstouren und Meeresfrüchten.
  • Hummer fangen dürfen nur schwedische Staatsbürger und Menschen mit festem Wohnsitz in Schweden, Austern gehören nicht zum Jedermannsrecht, als Urlauber buchst du deshalb eine Hummer- oder Austernsafari.
  • Der Juli ist wegen der schwedischen Sommerferien die vollste Zeit, ruhiger sind der Juni und die Zeit ab Mitte August, wenn das Badewasser oft am wärmsten ist.
  • An guten Hochsommertagen hat das Wasser 18 bis 20 Grad, in den flachen Buchten Hallands wird es schneller warm, in Bohuslän badest du von glatten Felsen, nimm also Badeschuhe mit.
  • Nach Bohuslän bringt dich die Nachtfähre von Kiel nach Göteborg in rund 15,5 Stunden, nach Halland fährst du über Trelleborg, von dort sind es rund 234 Kilometer bis Varberg.
Inhalt: 8 Abschnitte
  1. Halland und Bohuslän: welche Westküste du meinst
  2. Halland: Sandstrände, Wind und eine Festung am Meer
  3. Bohuslän: Granitschären und Fischerdörfer
  4. Meeresfrüchte an der Westküste Schwedens
  5. Baden an der Westküste: wie warm das Wasser wird
  6. Beste Reisezeit für die Westküste Schwedens
  7. Anreise: Kiel-Göteborg oder über Trelleborg
  8. Halland oder Bohuslän: meine Faustregel

Halland und Bohuslän: welche Westküste du meinst

Wer „Westküste Schweden“ sagt, meint meistens die Schären-Postkarte aus Bohuslän. Für einen Badeurlaub mit Kindern ist Halland aber oft die bessere Wahl. Die beiden Landschaften unterscheiden sich stärker, als die Karte vermuten lässt.

Beide waren lange dänisch oder norwegisch. Halland ging 1645 im Frieden von Brömsebro zunächst für 30 Jahre an Schweden und wurde 1658 im Frieden von Roskilde endgültig schwedisch, zusammen mit Bohuslän. Die Festungen, die du an der Küste siehst, stammen aus dieser Zeit der Grenzkriege.

Ganz grob:

  • Halland (Laholm bis Kungsbacka): Sand, Wind, Surfer, Campingplätze, Familienurlaub. Das Wasser ist flach und wird schneller warm.
  • Bohuslän (Göteborg bis zur norwegischen Grenze bei Strömstad): Granitschären, Bootstouren, Meeresfrüchte, Fischerdörfer. Baden meist von Felsen und Stegen aus.

Halland: Sandstrände, Wind und eine Festung am Meer

Laholmsbukten und Mellbystrand

Ganz im Süden, gleich hinter der Grenze zu Skåne, liegt die Bucht von Laholm. Von der Grenze bei Båstad bis zur Mündung der Lagan zieht sich allein in der Gemeinde Laholm ein Sandstrand von 12 Kilometern, rechnet man die ganze Bucht, sind es etwa 20. Das macht ihn zu einem der längsten Sandstrände Schwedens. Bei Mellbystrand ist der Sand fein und hell, dahinter stehen Ferienhäuser und Kiefern. Die Bucht gilt außerdem als eines der besten Windsurfreviere des Landes.

Falkenberg: Skrea strand und die Ätran

Skrea strand liegt etwa drei Kilometer vom Zentrum Falkenbergs entfernt. Der Strand ist gut zwei Kilometer lang, mit hohen Dünen und einem 250 Meter langen Steg. Mitten durch die Stadt fließt die Ätran, in der die stärkste Population wilder Atlantiklachse Schwedens lebt. Die Angelstrecke im Ort ist etwa 2,5 Kilometer lang, du brauchst dafür eine Angelkarte.

Varberg: Festung und Kaltbadehaus

Wenn du in Halland nur einen Ort ansehen willst, nimm Varberg. Die Varbergs fästning ließ der dänische Graf Jacob Nielsen zwischen 1287 und 1300 bauen, heute sitzt darin das Museum von Halland. Direkt unterhalb der Mauern steht auf Pfählen im Meer das kallbadhus, ein Kaltbadehaus im maurischen Stil von 1903. Es ist schon das dritte an dieser Stelle, die beiden Vorgänger haben Weststürme zerstört. Das Bad mit Sauna und Sprung ins Kattegat ist das bekannteste Fotomotiv der Stadt, und zu Recht.

Bohuslän: Granitschären und Fischerdörfer

Nördlich von Göteborg wird die Westküste Schwedens rau. Bäume gibt es auf den äußeren Inseln kaum, dafür rund geschliffene Felsen, auf denen man sich nach dem Baden in die Sonne legt. Göteborg selbst ist das Tor zu dieser Küste. Mit der Fähre von Kiel nach Göteborg kommst du direkt hier an. Was du in der Stadt ansehen kannst, von Haga bis Liseberg, steht im Artikel Göteborg Sehenswürdigkeiten, deshalb hier nur die Küste.

Die folgenden Orte liegen von Süd nach Nord.

Marstrand: Festung auf der autofreien Insel

Nordwestlich von Göteborg liegt Marstrand. Die Insel Marstrandsön ist autofrei, du parkst auf Koön und setzt mit einer kleinen Fähre über. Über dem Ort thront Carlstens fästning. Nachdem Bohuslän 1658 schwedisch geworden war, begann man mit dem Bau, fertig war die Anlage erst 1860. Im Sommer ist Marstrand ein Seglertreffpunkt und entsprechend voll.

Käringön: Holzhäuser auf blankem Fels

Die Insel Käringön vor Orust ist ebenfalls autofrei. Die Fähre ab Tuvesvik braucht je nach Route etwa 35 bis 45 Minuten und fährt ganzjährig. Weiße Holzhäuser, enge Gassen, fast kein Grün. Für einen Tagesausflug ist das die Insel, die sich zuerst lohnt, weil sie genau das Bild liefert, das man von Bohuslän im Kopf hat.

Smögen: die berühmte Brygga

Smögen in der Gemeinde Sotenäs ist der bekannteste Ferienort der Region. Berühmt ist die Smögenbryggan, ein mehrere hundert Meter langer Holzsteg vor bunten Bootshäusern, in denen Restaurants und Läden sitzen. Im Juli schieben sich hier Tausende Menschen entlang, abends wird der Steg zur Partymeile. Wenn du die Bootshäuser in Ruhe sehen willst, komm morgens oder außerhalb der Ferien.

Fjällbacka: Kungsklyftan und Krimis

Fjällbacka liegt unter dem Felsen Vetteberget. Durch ihn führt eine Schlucht, die Kungsklyftan, benannt nach einem Besuch von König Oscar II. Den Aufstieg erreichst du über Treppen vom Ingrid-Bergman-Platz. Die Schauspielerin verbrachte ab 1958 viele Sommer auf der Insel Dannholmen vor dem Ort. Heute kennen die meisten Fjällbacka aus den Krimis von Camilla Läckberg, die hier geboren wurde.

Grebbestad und Tanum: Austern und Bronzezeit

Grebbestad nennt sich die Austernhauptstadt Schwedens, und das ist keine Übertreibung: Über 90 Prozent der schwedischen Austern kommen aus der Gemeinde Tanum. Wenige Kilometer landeinwärts liegen die Felsritzungen von Tanum, seit 1994 UNESCO-Welterbe. Im Gebiet gibt es rund 600 Fundstellen mit Zehntausenden Bildern aus der Bronzezeit, etwa 1700 bis 500 vor Christus. Am bekanntesten ist die Platte von Vitlycke, 300 Meter vom Museum entfernt.

Koster: der erste Meeresnationalpark

Ganz im Norden, vor Strömstad, liegt der Kosterhavets nationalpark. Er wurde am 9. September 2009 eröffnet und ist der erste Meeresnationalpark Schwedens. Fast 400 Quadratkilometer umfasst er, 98 Prozent davon sind Wasser. Auf die autofreien Kosterinseln kommst du mit der Personenfähre ab Strömstad in 30 bis 45 Minuten, im Sommer bis zu zehnmal am Tag. Fahrräder darfst du auf der Fähre mitnehmen, und auf den Inseln sind sie das beste Verkehrsmittel.

Meeresfrüchte an der Westküste Schwedens

Wegen des Essens fahren viele Schweden überhaupt an die Westküste. Das kalte, salzige Wasser des Skagerrak ist gut für Hummer, Austern, Garnelen und Muscheln.

Hummer: Die Saison beginnt jedes Jahr am ersten Montag nach dem 20. September um 7 Uhr morgens, 2027 also am 27. September. Hummer fischen dürfen nur schwedische Staatsbürger und Menschen mit festem Wohnsitz in Schweden. Für Freizeitfischer unter ihnen gilt: Fang bis zum 30. November, höchstens sechs Reusen gleichzeitig, Mindestmaß 9 Zentimeter Panzerlänge. Als Urlauber buchst du deshalb eine Hummersafari bei einem Fischer, der dich mit aufs Boot nimmt, die Reusen hochzieht und den Fang meist hinterher zubereitet.

Austern (ostron): Die einheimische Europäische Auster wächst wild in den Buchten um Grebbestad. Austern gehören nicht zum Jedermannsrecht. Bis 200 Meter vom Ufer steht das Fischrecht dem Grundbesitzer zu, sammeln darfst du dort nur mit seiner Erlaubnis. Das gilt auch für die eingewanderten Pazifischen Austern. Stattdessen bietet sich eine geführte Austernsafari an, bei der du mit einem Austernfischer hinausfährst und lernst, die Austern selbst zu öffnen.

Miesmuscheln dagegen darfst du im Rahmen des Jedermannsrechts für den eigenen Bedarf sammeln, auf eigenes Risiko. Garnelen (räkor) kaufst du fertig gekocht im Hafen, fast überall mit Karte. Bargeld brauchst du hier genauso wenig wie in Südschweden.

Baden an der Westküste: wie warm das Wasser wird

Kalt, aber nicht so kalt, wie viele denken. An einem guten Hochsommertag hat das Wasser an der Westküste 18 bis 20 Grad, in warmen Sommern kurz auch mehr. Mitte Juli 2026 meldete SMHI an der Westküste über 20 Grad, danach fiel die Temperatur innerhalb weniger Tage auf 16 bis 19 Grad zurück. Solche Sprünge sind an der Küste normal, sie hängen vor allem am Wind.

Für Halland heißt das: In den flachen Buchten wärmt die Sonne das Wasser schneller auf, und du kannst lange stehen. In Bohuslän springst du von Felsen ins tiefe Wasser, und das fühlt sich an einem windigen Tag deutlich frischer an. Nimm Badeschuhe mit, die Felsen sind glatt, und in manchen Buchten wachsen inzwischen scharfkantige Pazifische Austern.

Beste Reisezeit für die Westküste Schwedens

Der Juli ist die schlechteste Zeit, jedenfalls wenn du Ruhe suchst. Die Schweden haben dann Sommerferien, Göteborg und das halbe Landesinnere fahren an die Küste, und Orte wie Smögen, Marstrand oder Fjällbacka sind über Wochen ausgebucht. Wann genau in Schweden Ferien sind, zeigt dir der Ferien- und Feiertagskalender für Schweden.

Meine Empfehlung:

  • Juni: lange Tage, frisches Grün, noch wenig Andrang. Das Wasser ist dann meist noch deutlich kühler als im August.
  • Ab Mitte August: Die Schweden sind wieder bei der Arbeit, das Badewasser ist laut SMHI im August oft am wärmsten, die Ferienhäuser werden günstiger.
  • Ende September bis November: für alle, die wegen des Hummers kommen, 2027 beginnt die Saison am 27. September. Baden fällt dann aus, dafür sind die Fischerdörfer leer und die Herbststürme ein Erlebnis für sich.

Anreise: Kiel-Göteborg oder über Trelleborg

Für die Westküste gibt es zwei sinnvolle Wege von Deutschland aus.

Über Nacht nach Göteborg. Stena Line fährt einmal täglich von Kiel nach Göteborg, die Überfahrt dauert laut Fahrplan rund 15,5 Stunden. Du legst abends ab und bist am nächsten Morgen direkt an der Westküste. Diese Strecke bin ich selbst nie gefahren, ich kann dir also nichts über das Schiff oder die Kabinen erzählen. Auf dem Papier ist sie für Bohuslän die bequemste Lösung, weil dir die ganze Fahrt durch Südschweden erspart bleibt.

Über Trelleborg und die E6. Für Halland ist Rostock-Trelleborg eine gute Wahl. Von Trelleborg bis Varberg sind es rund 234 Kilometer, etwa zweieinhalb Stunden. Bis Göteborg sind es gut 300 Kilometer, rund drei bis dreieinhalb Stunden reine Fahrzeit, fast durchgehend auf der Autobahn E6. Für Smögen kommen ab Göteborg noch etwa 1 Stunde 40 Minuten dazu, für Strömstad rund zwei Stunden. Welche Reederei auf dieser Strecke zu dir passt, steht im Vergleich von TT Line und Stena Line.

Was von deinem Wohnort aus schneller ist, hängt stark davon ab, wo in Deutschland du startest. Der Fähren-Planer rechnet dir beide Varianten nebeneinander aus.

Halland oder Bohuslän: meine Faustregel

Mit kleinen Kindern, Strandmuschel und dem Wunsch nach warmem, flachem Wasser: Halland. Varberg oder Falkenberg als Basis, und du bist in unter drei Stunden ab Trelleborg am Ziel.

Für Felsen, Boote, Meeresfrüchte und das Schweden-Bild aus dem Katalog: Bohuslän. Such dir am besten ein Haus zwischen Smögen und Grebbestad und mach von dort Tagesausflüge nach Fjällbacka, Tanum und Koster. Für den Juli gilt dann: früh buchen, am besten schon im Winter. Worauf du bei der Suche achten solltest, habe ich in meinem Ratgeber zum Ferienhaus mieten in Schweden zusammengefasst.

Kennst du die Westküste besser als ich? Welcher Ort in Halland oder Bohuslän gehört für dich unbedingt in diesen Artikel? Schreib es in die Kommentare.

Beitragsbild: Hafen von Fjällbacka, Bohuslän, Foto von Maxime Gerph auf Unsplash

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