Wer nach Schweden auswandert, fragt sich früher oder später: Was passiert, wenn ich krank werde? Die gute Nachricht ist, dass Schweden eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat. Allerdings funktioniert der Einstieg als Neuankömmling anders als viele erwarten.
In diesem Artikel erfährst du deshalb, welche Versicherung du in welcher Phase brauchst, wie das schwedische Gesundheitssystem funktioniert – und wann du endgültig in das schwedische System wechselst.
Die drei Phasen der Krankenversicherung beim Auswandern
Als Deutscher in Schweden durchläufst du in der Regel drei Phasen. Jede Phase erfordert daher eine andere Versicherungslösung.
Phase 1: Die ersten Wochen – EHIC als Notfallabsicherung
Direkt nach dem Umzug bist du zunächst noch über deine deutsche gesetzliche Krankenversicherung abgesichert – und zwar über die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC). Diese Karte ist kostenlos und sollte sich deshalb in jedem Geldbeutel befinden.
Allerdings deckt die EHIC nur medizinisch notwendige Behandlungen ab – also Notfälle und akute Erkrankungen. Routineuntersuchungen, Zahnarztbesuche und geplante Eingriffe sind hingegen nicht abgedeckt. Außerdem gilt die EHIC nur vorübergehend – sie ist keine dauerhafte Lösung für Auswanderer.
Phase 2: Die Wartezeit – private Auslandskrankenversicherung
Sobald du dauerhaft in Schweden lebst, endet der Schutz der deutschen Krankenversicherung früher oder später. Deshalb ist in der Übergangszeit eine private Auslandskrankenversicherung dringend empfohlen.
Diese Versicherung deckt alle Behandlungen ab, die die EHIC nicht übernimmt. Darüber hinaus bietet sie dir Schutz, falls du zurück nach Deutschland geflogen werden musst – ein sogenannter Rücktransport, der extrem teuer werden kann.
Phase 3: Die Personnummer – Einstieg ins schwedische System
Sobald du eine Personnummer hast und offiziell in Schweden gemeldet bist, bist du automatisch in das schwedische Gesundheitssystem aufgenommen. Folglich kannst du dann alle schwedischen Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen – zu denselben Konditionen wie schwedische Staatsbürger.
Das schwedische Gesundheitssystem verstehen
Das schwedische Gesundheitssystem ist öffentlich finanziert und für alle Einwohner zugänglich. Deshalb gibt es keine monatlichen Krankenversicherungsbeiträge wie in Deutschland – die Kosten werden stattdessen über Steuern finanziert.
Die Vårdcentral – dein erster Ansprechpartner
Die Vårdcentral ist das schwedische Pendant zum deutschen Hausarzt. Bei allen nicht lebensbedrohlichen Beschwerden gehst du zunächst dorthin – nicht direkt in ein Krankenhaus. Das ist besonders wichtig, da Selbsteinweisungen in Krankenhäuser in Schweden nicht üblich sind.
Du kannst dir deine Vårdcentral frei wählen. Außerdem kannst du Termine online oder per Telefon buchen – viele Vårdcentraler bieten darüber hinaus auch digitale Arztbesuche per App an.
1177 – die schwedische Gesundheitshotline
1177 ist die schwedische Gesundheitshotline – erreichbar rund um die Uhr. Hier bekommst du medizinische Beratung auf Schwedisch und kannst einschätzen, ob ein Arztbesuch notwendig ist. Allerdings ist der Dienst auf Schwedisch – für Spracheinsteiger daher zunächst eine Herausforderung.
Kosten im schwedischen System
Das schwedische System ist nicht vollständig kostenlos – du zahlst sogenannte Patientengebühren:
- Besuch bei der Vårdcentral: ca. 100-300 SEK
- Notaufnahme: ca. 300-400 SEK
- Krankenhausaufenthalt: max. 100 SEK pro Tag
Allerdings gibt es eine wichtige Regelung: Das sogenannte Högkostnadsskydd (Hochkostenschutz) begrenzt deine jährlichen Ausgaben. Sobald du innerhalb von 12 Monaten 1.300 SEK an Patientengebühren bezahlt hast, sind alle weiteren Behandlungen in diesem Zeitraum kostenlos.
Die deutsche Krankenversicherung – was passiert nach dem Umzug?
Viele Deutsche machen den Fehler, ihre deutsche Krankenversicherung nicht rechtzeitig zu kündigen oder zu klären. Deshalb hier die wichtigsten Punkte:
Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Wenn du in Schweden arbeitest und dort Steuern zahlst, hast du in der Regel keinen Anspruch mehr auf Leistungen der deutschen GKV. Deine Mitgliedschaft endet folglich, sobald du nicht mehr in Deutschland beschäftigt bist. Informiere deine Krankenkasse daher frühzeitig über den Umzug.
Private Krankenversicherung (PKV)
Wenn du privat versichert bist, solltest du deinen Versicherer kontaktieren und klären, ob dein Vertrag im Ausland weiterläuft. Manche privaten Versicherungen bieten deshalb spezielle Auslandstarife an.
Freiwillige Weiterversicherung
In manchen Fällen kannst du dich freiwillig in der deutschen GKV weiterversichern. Das ist jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich und in der Regel teurer als eine private Auslandskrankenversicherung.
Empfehlenswerte private Auslandskrankenversicherungen
Für die Übergangszeit empfehlen sich insbesondere folgende Versicherungen:
DR-WALTER
DR-WALTER ist einer der bekanntesten deutschen Anbieter für Auslandskrankenversicherungen. Besonders geeignet für Auswanderer mit langfristigen Aufenthalten. Außerdem bieten sie spezielle Tarife für Expats an.
Allianz Care
Allianz Care bietet internationale Krankenversicherungen speziell für Expats. Darüber hinaus ist der Service auf Englisch und Deutsch verfügbar – ein großer Vorteil in der Anfangszeit.
Cigna Global
Cigna Global ist ebenfalls eine gute Option für Langzeitauswanderer. Der Vorteil: weltweiter Schutz, auch wenn du nach Schweden später weiter in ein anderes Land ziehst.
Zahnarzt in Schweden als Deutscher
Das Zahnarztthema ist besonders wichtig, da es viele Neuankömmlinge überrascht: Zahnbehandlungen sind in Schweden teuer – deutlich teurer als in Deutschland.
Deshalb gelten folgende Empfehlungen:
- Vor dem Umzug: alle ausstehenden Zahnbehandlungen in Deutschland erledigen
- Private Zahnzusatzversicherung abschließen – am besten noch vor dem Umzug
- In Schweden: ab dem 24. Lebensjahr gibt es einen staatlichen Zuschuss (Tandvårdsbidrag) von 300-600 SEK pro Jahr – allerdings deckt das die tatsächlichen Kosten kaum ab
Checkliste: Krankenversicherung beim Auswandern nach Schweden
- EHIC bei der deutschen Krankenkasse beantragen (kostenlos)
- Private Auslandskrankenversicherung abschließen
- Deutsche Krankenkasse über den Umzug informieren
- Zahnarzttermine vor dem Umzug erledigen
- Personnummer beantragen – Einstieg ins schwedische System
- Vårdcentral in der Nähe auswählen und registrieren
- 1177-App herunterladen
- Hoogkostnadsskydd im Blick behalten
Fazit
Die Krankenversicherung beim Auswandern nach Schweden ist in drei Phasen aufgeteilt: EHIC als Sofortschutz, private Auslandskrankenversicherung als Überbrückung und schließlich das schwedische System nach Erhalt der Personnummer.
Wer diese drei Phasen kennt und deshalb frühzeitig plant, ist gut abgesichert – von Tag eins an.
Hast du Fragen zur Krankenversicherung in Schweden? Schreib sie in die Kommentare – wir helfen gerne weiter.
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